Geldforschung

Geldforschung

Sammlung  zum Thema Geld(system) – historisch, philosophisch, soziologisch ,oekonomisch + Geldreformer – siehe auch :

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neuere oder selektierte Artikel – update 8/2022


blogs.faz.net/fazit/  12/2020   Die Liquiditätsfalle: Mythos oder Realität?   Von John Maynard Keynes bis Hans-Werner Sinn: Eine Geschichte von Entdeckungen, Erkenntnissen, Interpretationen, Irrungen und Wirrungen. Ein Streifzug durch die Theoriegeschichte.   von Gerald Braunberger 

mikefromffm sagt: 17. Dezember 2020   Lieber Herr Braunberger, vielen Dank für den Überblick über die aktuelle Diskussion. Wie sie korrekt festgestellt haben, gibt es eigentlich nur noch in Deutschland Gläubiger der “Kirche des Monetarismus’”. Das dürfte auch ziemlich sicher die Erklärung dafür sein, warum ausgerechnet in Deutschland “mit Blick auf die Inflation Panik besteht”. Interessant ist die These von Charles Goodhart und Manoj Pradhan. Wobei allerdings deren Hoffnung, dass der Inflationsdruck durch den “Ersatz menschlicher Arbeit durch Roboter und Künstliche Intelligenz” geschwächt wird, nur der erste Schritt sein kann. Ohne Beteiligung der Bevölkerung am Wohlstandsgewinn wird die Nachfrage trotzdem sinken, denn Roboter gehen nicht zum Frisör und nicht ins Restaurant.


academia.edu 2013 – The puzzling sociology of money for the XXI century

2013 Die rätselhafte Soziologie des Geldes für das 21. Jahrhundert  von  Mikhail V Sinyutin

Abstrakt: Der Artikel widmet sich in rein theoretischer Weise der neueren wirtschaftssoziologischen Diskussion über das Wesen des Geldes. Mehrere Umstände und grundlegende Ideen des soziologischen Diskurses, zu denen Werke von Bruce Carruthers, Nigel Dodd, Viviana Zelizer, Geoffrey Ingham und Costas Lapavitsas gehörten, wurden analysiert. Im ersten Teil des Artikels befasst sich der Autor insbesondere mit den ursprünglichen Quellen theoretischer Widersprüche unter modernen Geldsoziologen. Ontologische, epistemologische, methodische sowie politische und ideologische Fragestellungen wurden einbezogen. Der zweite Teil diskutiert die Kernpolemik und die Abgrenzung der führenden Trends in diesem Bereich. Der Autor schließt schließlich mit der Erkenntnis wesentlicher Optionen für die zukünftige soziologische Untersuchung des Geldes.

Geldsoziologie, Wert, Zahlung, Kredit, Währung, Finanzen.     hier den Artikel auf deutsch lesen 


A-Z Autoren


docplayer.org  2012   Literaturliste zu „Geldtheorie und Politik“  Prof. Dr. Ralph Anderegg


goodreads.com 2004 Im Takt des Geldes: Zur Genese modernen Denkens  by Eske Bockelmann

Descartes, Galilei, Newton haben unsere Weltauffassung von Grund auf verändert und einem vollständig neuen Denken zum Durchbruch verholfen. Erst durch die wissenschaftliche Revolution des 17. Jahrhunderts sind jene dramatischen technischen Fortschritte möglich geworden, die inzwischen das gesamte Leben der Menschen durchdringen. Was aber hat dieses neue Denken ermöglicht? Eske Bockelmann zeigt, dass die Umwälzung sehr viel grundstürzender verläuft, als selbst die Bewunderer des wissenschaftlichen Aufbruchs ahnen. Denn um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert verändert sich grundlegend nicht nur das Denken, sondern sogar die Rhythmuswahrnehmung der Menschen. Das Hören nach dem Takt, das uns heute als das einzig natürliche erscheint, hat seinen historischen Ursprung in derselben Zeit und in derselben gesellschaftlichen Umgebung wie die moderne Wissenschaft. (less)

https://www.buecher.de/shop/denken/im-takt-des-geldes-ebook-epub/bockelmann-eske/products_products/detail/prod_id/38013113/

https://www.moneymuseum.com/de/archiv/der-film-im-takt-des-geldes-127?&slbox=truehttps://radiocorax.de/im-takt-des-geldes/embed/#?secret=MHh3DFCLzw

https://www.deutschlandfunk.de/eske-bockelmann-im-takt-des-geldes-zur-genese-modernen-100.html

https://www.perlentaucher.de/buch/eske-bockelmann/im-takt-des-geldes.htmlhttps://www.perlentaucher.de/buch/eske-bockelmann/im-takt-des-geldes.html

rote-ruhr-uni.com/pdf 2004

Fabian Kettner
Eske Bockelmann: Im Takt des Geldes. Zur
Genese modernen Denkens
Über ein unvollendetes Meisterwerk
Geld beherrscht die Welt, das wissen alle. Es ist nicht bloßes Tauschmedium der ökonomischen Sphäre; es dehnt seinen Machtbereich aus, ersetzt gesellschaftliche Kommunikationsformen und bedroht die Lebenswelt. Geld bestimmt das Handeln der Menschen nicht nur als Medium der alltäglichen Reproduktion, in Form von Arbeitslohn und Einkaufsmittel, es befördert nicht nur Charaktereigenschaften wie Gier und Geiz, es beeinflusst nicht nur die Weltsicht der Menschen, die entsetzt feststellen, dass in seiner Sphäre die Dinge ihren Glanz verlieren und gemein werden. Geld ist nicht nur Auslöser und Indikator von gesellschaftlichen Zuständen und Verkehrungen, sein Einfluss auf das bewusste wie unbewusste Denken geht noch tiefer: nicht nur wird das Denken auf Geld ausgerichtet, auf dessen Erwerb und Vermehrung, sondern modernes Denken selber, seine Form, wird vom Geld konstituiert.

All dies wurde bspw. von und nicht erst seit Friedrich Nietzsche und Georg Simmel immer wieder konstatiert, beiläufig bemerkt und immer wieder einer ausführlichen Untersuchung für wert befunden – die dann stets ausblieb. Selbst dem Autor, der sich hiermit sein Leben lang herumschlug, Alfred Sohn-Rethel, gelang kein überzeugender Nachweis dieses Zusammenhangs. Auch er gelangte nicht darüberhinaus, eine „überraschende Übereinstimmung“, ja eine „Porträtähnlichkeit“ von Warenform und Denkform festzustellen. Der kleine Boom der Sohn-Rethel-Literatur, in der zumeist die Ahnungen und der
Problemstand nur immer wieder neu zusammengefasst wurden, ist seit ca. zwanzig Jahren
vorbei.

Nun kommt einer und versucht es von neuem: Altphilologe, Lateindozent, ehemaliger Dramaturg, unbekannt, ohne marxistischen und adornitischen Stallgeruch. Eske Bockelmann legt die bislang gründlichste Untersuchung zu diesem Thema vor, die alle bekannten Fehler zu vermeiden sucht. …”…


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psychosputnik.wordpress.com 2015 JOACHIM BRUHN: ECHTZEIT DES KAPITALS, GEWALT DES SOUVERÄNS – DEUTSCHLANDS ZUKUNFT IN DER KRISE


Stefan Eich


Eberhard Gamm  Was ist Geld?  Die fehlerhafte Buchführung der Banken und ihre Folgen –  – 2021

  • Die Kurzfassung
  • In diesem Buch wird gezeigt, dass
  • Geld eine Buchführungsgrösse ist, mit der erbrachte und in Anspruch genommene Leistungen abgerechnet werden;
  • es sich bei einer Zahlung um die Verbuchung einer Leistungstransaktion handelt;
  • sich ein Kredit fundamental von einem Darlehen unterscheidet;
  • die Bilanzen der Banken in zwei Teile aufgespalten werden müssen: ein Abrechnungssystem und die Bilanz eines Bankbetriebs;
  • die Insolvenz einer Bank nur den Bankbetrieb betrfft und keine Auswirkungen auf das Abrechnungssystem hat;
  • die Insolvenz eines Wirtschaftsteilnehmers nicht zwangsläufig dazu führen muss, dass ausstehende Zahlungen nicht mehr erfolgen und die entsprechenden Verkäufer leer ausgehen;
  • die Zentralbanken ein Relikt aus der Zeit der Gold- und Silber-Währungen sind und die klassischen Instrumente der Zentralbanken heute weitgehend wirkungslos sind;
  • zahlreiche allgegenwärtige Aussagen über Geld aus der Zeit der Goldund Silber-Währungen stammen und unter den heutigen Bedingungen nicht mehr zutreffen;
  • die Buchführung der Banken und der Zentralbanken nicht den Grundsätzen der kaufmännischen Buchführung entspricht;
  • es im Geldwesen nur um zwei Fragen geht:
    • Wer bekommt wie viel Kredit?
    • Wie werden die Lasten von Kreditausfällen verteilt?

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docplayer.org   2014  Geld, Kredit und fiktives Kapital –was trägt die Marxsche Theorie bei zum Verständnis der Finanzkrise? Referat zur Kasseler Tagung: Die Finanzkrise –Grundlage für eine Marx-Renaissance? Heiner Ganßmann

Einleitung: Verortung der Marxschen Geldtheorie in der allgemeinen geldtheoretischen Diskussion

… “Bei der skizzierten Einordnung von Marx als Geldtheoretiker wird oft übersehen, dass er zwar einerseits darauf besteht, dass Geld tatsächlich in seiner Funktion als Weltgeld nach wie vor Ware sein muss, mit Gold und Silber in Münzen-oder Barrenform als Geldobjekten. Andererseits macht Marx aber bei der Darstellung der Geldfunktionen und ihrer Entwicklung von vornherein … deutlich, dass sowohl in der “kleinen” Zirkulation als auch im großen Handels-und Finanzverkehr Geldobjekte benutzt werden, die nicht die üblichen Wareneigenschaften … haben.

…”Man kann also davon ausgehen, dass Marx im “Kapital”, 3.Bd., keine ausdifferenzierte Theorie des Finanzsektors einbauen wollte, zumal er die Auffassung vertrat, dass die Aufspaltung des Mehrwerts in Profit und Zins (und Rente) nicht von irgendwelchen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt sei, sondern einerseits von der (konjunkturabhängigen) Inanspruchnahme von Krediten durch das Arbeit ausbeutende Kapital und andererseits von der Durchsetzungsfähigkeit der entsprechenden Interessen, die sich im Zyklus in typischen Verläufen verschiebt. Im Aufschwung ist der Zins niedrig und die Profitrate hoch, im Abschwung ist es umgekehrt (434), aber der Zins kann auf Dauer die Profitrate nicht übersteigen. Die Akkumulation von Geldkapital hat zwar keine quantitative, aber eine Sinngrenze: “Wenn aber keine wirkliche Accumulation stattfände, was würde die Accumulation von moneyed claims upon that production nützen?” …” …

see also> David Harvey


metropolis-verlag.de   Geld-Theorie-Geschichte  2019  Jan Greitens

Vollgeld-Initiative, Krypto-Währungen, Modern Monetary Theory… Seit der Finanzkrise ist die Frage nach einem anderen Geldsystem wieder intensiv in der Diskussion. Dabei sind die Ideen nicht neu, sondern haben ihre Wurzeln tief in der Geschichte der Geldtheorien. Über diese Wurzeln und die relevanten Traditionslinien gibt das Buch einen Überblick.

Es werden die zentralen Abschnitte der Geschichte der Geldtheorien vom 14. bis in das 20. Jahrhundert hinein vorgestellt und mittels einer im Verlaufe entwickelten Taxonomie miteinander verglichen. Die Darstellung beginnt mit knappen Überblicken zur Theorie-Geschichte, Geld-Geschichte und Geld-Theorie, ehe dann anhand von einzelnen Autoren die zentralen Gedanken der Geld-Theorie-Geschichte behandelt werden. Für die Zeit der Scholastik sind das Nicolaus Oresmius und Gabriel Biel. Aus der Neuzeit werden, beginnend mit Nikolaus Kopernikus, insbesondere John Law, Alexander Hamilton und Richard Cantillon behandelt. Die geldtheoretischen Diskussionen der ökonomischen Klassik, wie der Currency-School / Banking-School Streit, werden anhand von David Hume, David Ricardo und Thomas Tooke diskutiert. Die deutschsprachige Tradition kommt mit Johann Heinrich Gottlob Justi, Adam Müller und Georg Friedrich Knapp zu Wort. Die marxistischen Diskussionen werden neben Karl Marx durch Rudolf Hilferding beleuchtet, ehe zuletzt mit Carl Menger, Irving Fisher und Joseph Schumpeter auch aus modernen Darstellungen bekannte Personen mit ihren Theorien betrachtet werden. Durch diese personenzentrierte und systematische Vorgehensweise ist eine auch nur ausschnittsweise Lektüre möglich.

Geldtheorie-Taxonomie – Jan Greitens

1965 hat Werner Ehrlicher eine funktionale Systematik der Theorien über das „Wesen des Geldes“ entwickelt. „Wesen des Geldes“ meint die Voraussetzungen, die das Geldmaterial erfüllen muss, um die Geldfunktionen ausüben zu können.

  • Wird das Wesen des Geldes primär aus der Wertaufbewahrungsfunktion bestimmt, betonen diese Theorien „den Warencharakter des Geldes für Entstehung, Funktion und insbesondere für die Wertbegründung.“ Es sind metallistische Theorien, bei denen „Geld (…) nur eine Ware sein [kann], die wegen ihres Eigenwertes geschützt wird, d.h. also einen unabhängig von der Geldqualität existierenden selbständigen Gebrauchswert hat.“ Die Produktionskostentheorie „kann als die der Warentheorie korrespondierende Geldwerttheorie bezeichnet werden.“Auch wenn die anderen Geldfunktionen auch für Warengeld von Bedeutung sind, so ist doch „die Wertaufbewahrungsfunktion (…) die konstitutive (…), aus der die Fähigkeit zur Erfüllung der übrigen Funktionen resultiert.“
  • Wird das Wesen des Geldes primär aus der Zahlungsmittelfunktion bestimmt, basieren diese Theorien auf der rechtlichen Setzung, derer ein Kredit bedarf. Beginnend mit der Konventionstheorie des Geldes, die besagt, dass „das Geld seine Entstehung und Geltung einer Übereinkunft der Menschen, ein bestimmtes Gut als Zahlungsmittel anzunehmen, verdankt“, ist dies der zentrale Aspekt von Georg Friedrich Knapp und seiner Tradition, bei der das Geld „ein Geschöpf der Rechtsordnung“ ist und es durch Proklamation des Staates entsteht.
  • Wird das Wesen des Geldes primär aus der Tauschmittelfunktion bestimmt, sehen diese Theorien die „Primärfunktion des Geldes die wertbegründende Funktion ansprechen, die sie in der Tauschmitteleigenschaft sehen.“ Die Funktionswerttheorie bestimmt das Wesen und den Wert des Geldes von seiner Funktion als Tauschmittel, also als Tauschgut. Die Nachfrage nach Geld ist ein aus der Güterwelt abgeleitetes Bedürfnis.
  • Wird das Wesen des Geldes primär aus der Rechnungsmittelfunktion (also der Recheneinheitsfunktion) bestimmt, wird „nicht auf die individuell konkreten Tauschakte, sondern auf die dahinterstehenden bzw. in einer anderen logischen Ebene liegenden abstrakt quantitativen Zusammenhänge abgestellt.“ Es ist ein abstrakter Maßstab und nicht an einem Standardgut orientiert. Die Anweisungstheorie sieht Geld als „Anweisung“ auf einen dem eigenen Beitrag zum Sozialprodukt entsprechenden Anteil desselben, als „Eintrittsbilletts“. Wesen und Wert liegen nicht im konkreten Tauschgeschehen, sondern im abstrakt-kreislauftheoretisch aufgefassten Zusammenhang zwischen Einkommen, Produktion und Preisen.

Der Ehrlicher-Ansatz ist die Grundlage für eine weitergehende, hier verwendete Taxonomie. Es wird angenommen, dass sich auch der Geldwert aus dem Wesen des Geldes ableitet. Daher sind die Geldwerttheorien Fortführungen der vorherigen funktionsbezogenen Geldwesenstheorien mit der Frage nach der Wertbestimmung. Eine solche Ableitung wird auch für die Wertbestimmung des Kreditgeldes unterstellt.

Die Anwendung dieser Systematik auf die in dieser Sammlung vorgestellten Autoren und Texte, sowie auf weitere Beispiele ergibt folgende Darstellung:

Ehrlicher Ansatz

Je nach zentraler Fragestellung (Geldwesen, Geldwert oder Kreditgeld) befinden sich die Autoren in anderen horizontalen Zuordnungen. Manche Autoren haben sich in den betrachteten Textstellen mit verschiedenen Fragestellungen beschäftigt und tauchen daher auch wiederholt auf. Die Begründung der Zuordnung findet sich jeweils am Ende der Kapitel zu den Autoren im Buch „Geld-Theorie-Geschichte“.   –  vgl. Ehrlicher, Werner (1965): Geldtheorie, In: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Band 4, 1965, S. 231-258   –   source – geld-theorie-geschichte.de


Gunnar Heinsohn

wikipedia  In collaboration with a famous colleague in Bremen, economist Otto Steiger, Heinsohn criticized the “barter paradigm” of money. Instead of money as a medium of exchange to facilitate barter, Heinssohn replaced it with a property based credit theory of money that stresses the indispensable role of secure property titles, contract law and especially contract enforcement, liability and collateral to create secure, transferable debt titles that central banks will accept as collateral for issuing bank notes.[1][2][3][4]

Interest is being explained as a property premium instead.[5] The paradigm provides institutional microfoundations for monetary theories of production developed in the Keynesian tradition. Credit theories of money have existed since mercantilism but have not become the dominating paradigm in monetary theory.[6][7] Besides promoting their paradigm as an alternative foundation for triggering economic development (much in line with the insights of Hernando de Soto,[8] Tom Bethell[9] and Richard Pipes),[10] Steiger has applied it to an analysis of the eurosystem.[11][12][13][14]

While this approach has similarities with institutional economics, its major differences are (1) a non-universalist, cross-cultural approach that is in line with results from economic anthropology (Marshall Sahlins, Karl Polanyi, Marcel Mauss and others) and strongly doubts on the “homo oeconomicus” concept. It provides instead a specific explanation of various strategies of economic efficiency become functional only in monetary economies based on property and enforceable contracts;.[15][16] Heinssohn proposes a reconstruction of the connection between property, enforceable contracts, interest, credit/money and the banking system and a possible explanation for technical progress and innovation. The difference in innovativity and progress between the monetary economics of antiquity and modern times is being explained as well.[17][18] Heinsohn and Steiger’s model has been discussed in some post-Keynesian circles,[19][20] and it has been criticized by Nikolaus K.A. Läufer.[21]


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Maurice Höfgen 

amazon.de  2020 Mythos Geldknappheit: Modern Monetary Theory oder warum es am Geld nicht scheitern muss by Maurice Höfgen 

Klimakrise, Pandemie, Ungleichheit, politischer Rechtsruck ― große gesellschaftliche Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Leider scheitern Reformen zumeist an der Frage: „wie sollen wir das bezahlen?”. Weit verbreitete Irrtümer zur Funktionsweise des Geldsystems und ökonomischen Zusammenhängen führen dazu, dass wir den politischen Handlungsspielraum des Staates chronisch unterschätzen ― auf Kosten des Gemeinwohls. Dieses Buch entlarvt den Mythos der Geldknappheit und skizziert progressive Reformen für eine Zukunft in Prosperität und Nachhaltigkeit ― im Sinne des Gemeinwohls. All das, wozu wir technisch in der Lage sind, und worauf wir uns demokratisch einigen können, können wir uns auch leisten. Ein anderer Wirtschaftsentwurf ist möglich!

youtube 2021 Glaubenskrieg in der VWL: Mein offener Brief An vielen Unis dominiert bis heute die Neoklassik. Und das obwohl sie theoretisch und empirisch widerlegt ist. Im Video geht es um meinen Versuch daran etwas an der Uni Maastricht zu ändern. Ich berichte von meinem offenen Brief und wie die Uni ihn als Kriegserklärung ablehnte.

mauricehoefgen.com 3-7-2022 Sommerzeit ist Lesezeit – by Maurice Höfgen

“Geld ist nicht knapp. Zeit aber schon. Deshalb: Augen auf bei der Lektürewahl! Weil ich häufig nach Lesetipps gefragt werde, habe ich eine kleine Auswahl für den Sommer zusammengestellt. Nicht alles ist brandneu. Im Gegenteil: Manche Tipps haben schon ein paar Jahre auf dem Buckel, sind aber bis heute wichtig. …

mauricehoefgen.substack.com 11-6-22 Die Küchenpsychologie der Ökonomen – Wieso Ökonomen an das Märchen der Inflationserwartungen glauben und höhere Zinsen abfeiern. von Maurice Höfgen

mauricehoefgen.substack.com  3-2022 Das sagt die MMT nicht – Über die MMT kursieren viele Mythen. Auch unter hochrangigen Funktionären wie der EZB-Direktorin Prof. Isabel Schnabel – von Maurice Höfgen

politischeoekonomie.com 3-2022 Putins Sanktionswirtschaft aus MMT Sicht – Als Reaktion auf Putins völkerrechtswidrigen und barbarischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat der Westen viele Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhangen. Wie hart treffen die Sanktionen die russische Wirtschaft? Droht Putin ein Staatsbankrott? Schwört er der Sanktionen wegen gar seiner konservativen Wirtschaftspolitik ab? Maurice Höfgen bespricht diese Fragen aus Sicht der Modern Monetary Theory (MMT). Von Maurice Höfgen

>see also

youtube Geld für die Welt — Maurice Höfgen

Rekordschulden: Woher kommt das Geld?


Tauschen, sprechen, begehren – Eine Kritik der unreinen Vernunft   von  Jochen Hörisch 

Alexander Kluge im Gespräch mit Jochen Prof. Dr. Jochen Hörisch 2011

Der Geist ist abgeleitet vom Geld – so die These des Literaturwissenschaftlers Jochen Hörisch, der in seinem neuen Buch Kritik der unreinen Vernunft die Erkenntnis vom Kopf auf die Füße zu stellen versucht: Erst tun die Menschen etwas, danach ziehen sie daraus Einsichten. Industrielle Praxis und Welthandel haben die Abstraktionen erst erfunden. Dass das Denken also im Geld und dem Warentausch seine Wurzel hat, macht die Vernunft unrein, aber umso vitaler, sagt Hörisch.

https://www.youtube.com/embed/7oBekn5qdbY?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=en-US&autohide=2&wmode=transparent Hoerisch auf Alexander Kluge’s Kanal dctp.tv

auch interessant:  Hörisch, J. (2010). Kopf oder Zahl : die Poesie des Geldes


degruyter.com/pdf  2006  Das Ringen um den Geldbegriff   Begriffswandel und Metaphernkonstanz in historischen und zeitgenössischen Geldtheorien   Markus Hundt

  • 1 Semantischer Kampf um den Geldbegriff – ist das möglich?
  • 2 Der Geldbegriff im Alltag: Prototypisch organisierte Konzeptstruktur
  • 3 Der Geldbegriff in den Geldtheorien: Dominantsetzung einzelner Teil-bedeutungen
  • 4 Der unausweichliche Rückgriff auf metaphorische Modelle
  • 5 Radikaler historischer Begriffswandel neben konstanten metaphorischen Modellen
  • 6 Fazit

beckshop  2011  Einführung in die Geldtheorie  Otmar Issing

Das Lehrbuch zur Geldtheorie ist eines der erfolgreichsten Bücher dieser Art. Dem Autor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing, ehemals Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank und »Vater des Euro«, gelingt es hervorragend, den aktuellen Stand der modernen Geldtheorie einfach und konzentriert darzustellen. Der Band gibt den Studenten eine hilfreiche Orientierung in der Diskussion zwischen Keynesianern, Monetaristen und Liquiditätstheoretikern.


Kritik des neutralen Geldes  1999  Franz-Xaver Kaufmann     Leseprobe bei jstor.org


springer.com​  2014  Soziologie des Geldes – Grundlegende und zeithistorische Einsichten – Paul Kellermann

In  Krisenzeiten wird Geld weit mehr Aufmerksamkeit gewidmet als an Tagen wirtschaftlicher Problemlosigkeit. Das zeigt sich im Vergleich der Zeiten vor und nach dem jüngsten Ausbruch der Krisen (Hypothekenmarkt, Banken, öffentliche  Haushalte, Wirtschaftssystem, Arbeitsmarkt). Doch grundsätzlich kann Geld soziologisch als eine mehr oder weniger bewusste Handlungsorientierung angesehen werden, die das Tun der Menschen in den modernen, extrem arbeitsteiligen, Gesellschaften entscheidend beeinflusst: Über das Zahlungsmittel ausreichend verfügen zu können bestimmt, wie das Leben in dieser „Geldgesellschaft“ zu gestalten ist, in der nahezu alles gekauft werden muss, was gebraucht wird. An Geld zu gelangen wird daher nicht nur in wirtschaftlichen Krisen die vorherrschende Orientierung des gesellschaftlichen Handelns. Doch wenn  das konkrete Geld nicht entsprechend durch reale Leistungen (auch des in Krisen ungenutzten Arbeits- und Produktionsvermögens) gedeckt wird, ist es nicht mehr viel wert. Eben so verlieren dann virtuelle Finanzwerte längerfristig ihren Wert. ​


Paul Christoph Martin /wiki  Ausgehend von der Eigentumstheorie des Wirtschaftens[4] der Bremer Professoren Gunnar Heinsohn und Otto Steiger entwickelte er die Theorie des Debitismus, die den Kapitalismus als ein kreditäres Kettenbriefsystem bezeichnet.


A T Paul

junius-verlag.de 2017 Theorie des Geldes zur Einführung – by Axel T. Paul

Produktbeschreibung : “Geld regiert die Welt” – angesichts der jüngeren Finanzkrisen eine Binsenweisheit. Die tatsächliche Herrschaft des Geldes ist jedoch selbst in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften häufig unverstanden. Anstatt einzelne “alternative” Theorien des Geldes aneinanderzureihen, gibt dieser Band aus der Perspektive einer ökonomisch aufgeklärten, soziologischen Kredittheorie des Geldes einen kohärenten Überblick über die Anfänge, die Funktionsweise, die finanziellen und sozialstrukturellen Effekte unseres heutigen Geldwesens. Behandelt werden u.a. “primitive Gelder”, behavioral finance und Experimente mit Alternativwährungen. Dabei zeigt sich, dass nicht nur unser kapitalistisches Wirtschaftssystem als geldbestimmt, sondern die moderne westliche Gesellschaft selbst als monetär integriert aufgefasst werden muss.

Leseprobe

soziopolis.de/ 2018 Aaron Sahr Rezension – Einzahlen, Auszahlen, Bezahlen – Axel T. Paul Theorie des Geldes und die Wirtschaftssoziologie im Allgemeinen

Die Geschichte der Soziologie ist eine Geschichte der Spaltung. Als Disziplin ist sie (vor allem) ein Ableger der Nationalökonomie, deren Fragenstellungen den Protagonisten der Spaltung zu eng und deren Theoreme ihnen zu dünn erschienen. Auf der anderen Seite grenzten sich die frühen Soziologen von der Philosophie ab, deren operatives Geschäft man zu weit von den empirischen Idealvorstellungen moderner Wissenschaften entfernt wähnte. Nicht zufällig wurde ein Klassiker der Soziologie von Georg Simmel noch mit Philosophie des Geldes betitelt. Diese Ausdifferenzierung, so notwendig und gut sie war, erzeugte bekanntlich wenig Kohäsion im jungen Forschungsfach. Nach und nach wurde die Soziologie in ihrer weiteren Entwicklung durch die Einziehung immer neuer Binnengrenzen fragmentiert. Heute stehen Erstsemesterstudierende vor einem einschüchternd großen Bündel an Bindestrich-Subdisziplinen, die sich wechselseitig überraschend selten etwas zu sagen haben. Es liegt allein in der Geschichte der Soziologie, aber nicht in ihrer Sache begründet, dass es beispielsweise eine Sparte gibt, die sich mit Arbeit und Industrie beschäftigt, eine andere, die sich Wirtschaftssoziologie nennt, und eine dritte, die Organisationssoziologie heißt. Denn selbstverständlich sind die in den Organisationen der Industrie beschäftigten ArbeiterInnen Teil der Wirtschaft. Die Wirtschaftssoziologie selbst unterteilt sich sogar noch einmal in mehrere Forschungsbereiche, etwa Marktsoziologie, Konventionsökonomik, Finanzsoziologie, politische Ökonomie, Soziologie des Wirtschaftswissens oder – seit Kurzem wieder verstärkt – Geldsoziologie. Die Theorie des Geldes zur Einführung des Soziologen Axel T. Paul, kürzlich im Junius Verlag erschienen, stellt nicht nur eine wirklich ausgezeichnete, weil gleichsam facettenreiche und verständlich geschriebene Einführung in die letztgenannte Sparte dar, sondern gleichzeitig auch ein Plädoyer für einen Rückbau der Binnendifferenzierungen der Wirtschaftssoziologie.

Am Anfang war die Schuld

Geldtheorie beginnt meistens ganz am Anfang, mit Erklärungsangeboten für die historische Entstehung der Geldfunktionen. Dabei ist es vergleichsweise unstrittig (zumindest auf den ersten Blick), worin diese Funktionen bestehen: Geld ist ein universelles Zwischentauschmittel, das heißt man akzeptiert es im Austausch gegen Güter und Dienste nicht, weil man es konsumieren möchte, sondern weil man es am wahrscheinlichsten und einfachsten wieder gegen die Dinge eintauschen kann, die man „wirklich“ braucht. Das funktioniert, weil sich mit Geld als einer Maßeinheit Preise festlegen und ausweisen lassen. Anders als beispielsweise die eigene Arbeitskraft kann man Geld ferner verwenden, um Werte zu speichern und ihren Einsatz (im Tausch) aufzuschieben. Schließlich ist Geld das Mittel, mit dem sich öffentliche (Steuern oder Strafen) und private Schulden begleichen lassen. Geld fungiert also als Zwischentauschmittel, Auspreisungsmaß, Wertspeicher und Tilgungsinstrument zugleich.

Lange Zeit galt es unter Ökonominnen und Ökonomen als ausgemacht, dass man theoretisch so tun könne, als seien diese Geldfunktionen aus dem Tauschen von Gütern und Dienstleistungen selbst entstanden – als seien sie Markteffekte. Diese Genealogie wurde verstärkt in den letzten Jahren mit historischen und systematischen Argumenten widerlegt, die Paul übersichtlich präsentiert. In der Asche des Mainstreams beginnt er, nach überzeugenderen „Urszenen des Geldes“ (S. 49) zu suchen. Mit strammem Schritt durchschreiten Leserinnen und Leser hier an Pauls Seite die Gabentheorie des französischen Soziologen Marcel Mauss und erfahren etwas über den sakral-zeremoniellen Charakter früher Geldmittel. Im Anschluss folgen Schilderungen zu vormodernen Praktiken der Auflösung von Kränkungen sowie Blut- und Schandtaten durch rituelle Opfergaben. In beiden alternativen origin stories kommt Geld als Mittel der Schuldentilgung zur Welt (S. 61), dessen sich – und erst dadurch kann es universelles Zahlungs- und Tauschmittel werden – religiöse und politische Autoritäten ermächtigen, um es für eigene Zwecke nutzbar zu machen.[1] Am Anfang des Geldes steht also die Schuld, genauer: die soziale Praktik, durch eine Zahlung Schulden zu tilgen.

Fast Forward Finanzmarkt

Nachdem geklärt ist, welche Funktionen Geld hat und wie man sich seine soziale Geburt in etwa vorstellen kann, erhöht Paul das Tempo und erläutert die „gewissermaßen selbstläufige Entwicklung vom Geld zum modernen Finanzmarkt“ (S. 100). Letzterer sei ein Gefüge von Institutionen und Praktiken, die als Ausreizung und Fortentwicklung der „Logik des Geldes“ (ebd.) verstanden werden sollten, so Paul. Geldsoziologie, das ist der Fingerzeit an die Disziplin, müsse deswegen stets auch Finanzsoziologie sein. Eine scharfe Trennung zwischen beiden Subdisziplinen wäre künstlich. Ausgangspunkt der ersten Kapitel zu einer von grundlegenden Begriffsbestimmungen entlasteten Soziologie des Geldes ist die „durchmonetarisierte Gesellschaft“ (S. 101), in der Menschen im Allgemeinen auf den Bezug von Geld angewiesen sind, um die Dinge zu bekommen, die sie brauchen und wollen. Diese Abhängigkeit von Geldeinkommen steht in einer basalen Spannung zu dem Geld inhärenten „Freiheitsversprechen“ (S. 104).

Aber worin genau besteht diese Spannung eigentlich? Eine Geldbesitzerin kann Geld zwar nicht selbst konsumieren, aber sie kann zwischen zahllosen Angeboten unterschiedlicher Verkäufer wählen. Sie ist damit, das wurde schon von Simmel als Freiheitsgewinn gewürdigt, nicht mehr auf persönliche Bekanntschaft und Gefälligkeit angewiesen, wenn es gilt, sich zu versorgen und Bedürfnisse zu befriedigen. Geld ist – anders als Güter – nicht auf die Art des Bedürfnisses festgelegt, das man mit ihm zu befriedigen sucht. Vielmehr stehen endlose Regalmeter an Waren zur Auswahl, die erstanden werden können. Außerdem „und hierin liegen sowohl ein besonderer Reiz als auch eine eigentümliche Problematik des Geldes – sind wir als Geldbesitzer frei darin, wann wir es ausgeben“ (S. 106). Indem man dank des Geldbesitzes Entscheidungen vertagen kann (heute sparen, um erst morgen zu zahlen), ohne die Entscheidungsfreiheit aufzugeben (wofür man zahlt), gewinnt „Zukunft selbst […] an Tiefe und Plastizität“ (S. 107). Dem Besitz von Geld ist also eine Zeitlichkeit inhärent, wie bereits Aristoteles wusste; er schrieb: „Für den künftigen Austausch – dafür, dass der Austausch, wenn jetzt kein Bedarf besteht, möglich sein wird, wenn Bedarf aufkommt – ist uns das Geld gewissermaßen Bürge“.[2] Dieser Beruhigungseffekt schafft für die Geldbesitzerin Handlungsfähigkeit, weil sie Entscheidungen sorgfältig abwägen kann. Gleichzeitig, so erklärt Paul, stellt dieser Beruhigungseffekt aber eine Unsicherheit für diejenigen dar, die gerne mehr Geld hätten, um sich zu versorgen. Verkäufer von Waren oder Arbeitskraft gieren nach Liquidität, wollen also die Geldbesitzer ständig dazu motivieren, ihr Geld auszugeben. Auf diese, dem Geld ganz eigene Spannung antworten die Institutionen des Banken- und Finanzsystems: Während sie den Beruhigungseffekt des Geldbesitzes durch ihre Angebote zur Geldanlage absichern, bedienen sie gleichzeitig den Geldbedarf der Verkäufer. Der für solche Transaktionen notwendige Zins ist vor diesem Hintergrund Ausdruck der Logik des Geldes selbst, nur auf einer höheren Ebene gesellschaftlicher Ausgestaltung und Komplexität. Der Handel mit Zukunftsrisiken in Form von Krediten und Termingeschäften auf den modernen Finanzmärkten ist deswegen mit Paul letztendlich als eine Wiederaufnahme, Lösung und gleichzeitige Reproduktion der Spannungen des Geldes zu verstehen. Pauls systematische, historisch informierte, gut verständliche und als Seminarlektüre gut geeignete Skizze des Finanzsystems ist so denn auch als eine Kritik an artifiziellen Binnendifferenzierungen der Wirtschaftssoziologie zu lesen. Dem an derlei innerdisziplinären Scharmützeln weniger interessierten Käufer werden in diesem Teil des Buches grundlegende Einsichten zu Entwicklung und Funktionsweise des Finanzsystems (etwa zu Derivaten) sowie zu Konjunkturen und Krisen vermittelt.

Nichts ist los

Der Handel mit der dem Geld innerhalb des Finanzsystems inhärenten Zeitlichkeit, die wechselseitigen Abhängigkeiten und Erwartungen unterschiedlicher Geld- und Güterbesitzer sowie die immer komplexer werdenden Verfahren und Verträge, die beide in Interaktion setzen, führen immer wieder zu Spannungen und Krisen. Vom auf die Zukunft gerichteten Charakter des Geldes über die Reproduktion dieses Charakters als Risiko auf den Finanzmärkten führt Paul zur Thematik der Geldschöpfung und ihrer (möglichen) Reform. Der Umstand, dass Geld nicht irgendwann und irgendwie historisch entsteht, sondern eben auch (kontinuierlich) produziert werden muss, wurde vor allem durch Geoffrey Ingham wieder in den Diskurs der Geldsoziologie eingebracht,[3] die sich zunächst und zumeist für die Funktionsweise dieses Mittels im alltäglichen Gebrauch interessiert hatte.[4]

Geld entsteht heute immer dann, wenn sich Akteure bei Banken verschulden. Das können beispielsweise private Banken sein, die sich frisches Kapital bei ihren Zentralbanken leihen. Viel wichtiger, weil vorgängig aber ist die Nachfrage nach Krediten im Privatsektor. Jedes Mal, wenn ein Unternehmen, ein Hauskäufer oder eine sonstige Konsumentin bei einer Bank einen Kredit aufnimmt, entsteht neues Bankguthaben auf dem Konto des Schuldners, sozusagen – auch wenn man diese reißerische Formulierung nicht überzeichnen sollte – „aus dem Nichts“ (S. 142, auch bei Paul in Anführungszeichen). Besonders erfreulich ist an dieser Stelle, dass Paul nüchtern und fast schon nebenbei mit der immer noch weit verbreiteten Unwahrheit aufräumt, private Banken bräuchten für diese Art der Geldschöpfung vorher Reserveguthaben bei der Zentralbank. Banken benötigen zwar tatsächlich Reserven an Zentralbankgeld, aber nur für Barabhebungen und Überweisungen. Es kann also, so Paul, keine Kontrollfunktion entstehen, „weil die kreditäre Buchgeldschöpfung der Hinterlegung von Reserven vorhergeht“ (S. 146). Das bedeutet im Übrigen nicht, wie Paul ebenfalls deutlich macht, dass die Zentralbanken keinen Einfluss mehr hätten – Leitzinsentscheidungen, die Festlegung von Absicherungskriterien und ihre eigenen Geschäfte bleiben natürlich keinesfalls folgenlos. Allerdings haben Zentralbanken eben keinen direkten Einfluss auf die Geldmenge der privaten Banken. Nichtsdestotrotz ist die Privatwirtschaft auf die Kooperation mit der Zentralbank angewiesen und ebenso darauf, dass ihre Schulden – das Geld auf den Bankkonten – vom Staat als Zahlungsmittel anerkannt werden. Die Geldordnung ist in diesem Sinne eine komplexe öffentlich-private Partnerschaft, deren Dynamik jedoch maßgeblich von den privaten Partnern bestimmt wird.

Undercoverpolitik

Diese kreditäre Buchgeldschöpfung aus dem Nichts, einerseits durch eine politische Organisation, andererseits durch den Markt, war und ist umkämpft. Paul macht diesbezüglich zwei Stränge in den gegenwärtigen Reformdebatten aus, die er sorgfältig unterscheidet und gleichermaßen kritisch diskutiert. Zunächst geht er auf liberale Zirkel ein, die in vielfältigen Varianten Geldsysteme ohne staatliche Rückendeckung diskutieren. Eine der neuesten Versionen solcher hyperliberalen Geldordnungen ist inzwischen mehr als ein Gedankenspiel: Kryptowährungen wie Bitcoin erfreuen sich unter SpekulantInnen derzeit großer Beliebtheit. Sie werden von ihren theoretischen Advokaten als kostengünstige Alternative zu regulären Zahlungsmitteln angepriesen, unter anderem mit dem Argument, dass im Falle ihrer Verwendung auf Intermediäre wie Banken verzichtet werden könne. Bitcoin-Transaktionen werden zwischen den beteiligten Zahlpartnern abgewickelt und die Legitimität dieser Transaktionen – also die Frage, ob das Bitcoin-Konto ausreichend gedeckt ist – wird durch dezentrale Computernetzwerke überprüft. Auch in diesem Abschnitt nimmt Paul den Einführungscharakter seines Buches sehr ernst und erklärt ebenfalls für Laien verständlich, was es mit diesem ausgeklügelten Mechanismus auf sich hat. Er relativiert dabei die hohen Erwartungen von Technologieenthusiasten, die sich eine rosige Zukunft mit staaten- und bankenlosem Geld ausmalen. Bitcoin sei weniger „alternatives Geld“ als vielmehr ein beliebiges Spekulationsobjekt, das zukünftig mehr und mehr in das klassische Finanzsystem integriert werde, sofern es nicht vorher ökologisch kollabiert.[5] Theoretisch symbolisiere es allerdings die viel größere und ältere Idee eines vollständig privaten Zahlungssystems.

Diesem liberalen Phantasma konträr gegenüber steht der zweite von Paul ausgemachte Strang innerhalb der Debatte: eine Reformbewegung, die sich unter Bannern wie Positive Money Movement oder Vollgeldreform versammelt. Es handelt sich um im Detail sehr unterschiedliche, aber im Kern doch vereinte politische Kräfte, die ein ausschließlich staatliches Geldsystem einfordern und planen. Die Bewegungen in England, den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz fordern, die private Geldschöpfung der Banken abzuschaffen und durch allein vom Staat produziertes Geld zu ersetzen. Wahlweise soll die Regulierung der Geldschöpfung künftig durch ein unabhängiges Gremium oder das Parlament erfolgen. Paul wägt beide oppositionellen Positionen knapp, aber sorgfältig ab und zieht sodann ein skeptisches Fazit.

Die politische Sprengkraft des Paul‘schen Argumentationsgangs bleibt lange hinter gut lesbarer, aber nüchtern vorgetragener Theorie verborgen: Statt liberalen oder etatistischen Vorstellungen nachzueifern, regt er an, die gegenwärtige Ordnung der öffentlich-privaten Partnerschaften neu zu justieren. Genauer gesagt geht es ihm um das Verhältnis von Regierung und Zentralbank. Er stellt dabei die Binsenweisheit, Zentralbanken müssten von politischem Einfluss möglichst unabhängig operieren können, zur Disposition. Mit wenigen Strichen dekonstruiert Paul den Mythos technokratischer Rationalität, der die Zentralbankunabhängigkeit (von demokratisch-politischer Steuerung) für alternativlos erklärt. Dieser Mythos operiert nämlich mit der Fiktion einer neutralen, an monetärem Allgemeinwohl orientierten Geldpolitik, deren Verfolgung anders als durch Unabhängigkeit nicht zu gewährleisten sei: Dieses monetäre Allgemeinwohl ist Geldwertstabilität. Tatsächlich aber, so Paul, sei Geldpolitik „mitnichten neutral, sondern sie favorisiert unweigerlich einzelne gesellschaftliche Gruppen oder Klassen“ (S. 187). Hinter von demokratischer Kontrolle freigestellten und vor allem auf Geldwertstabilität zielenden Zentralbanken stehen also – in aller Deutlichkeit formuliert – Partikularinteressen (S. 188). Diese Verfassung des Geldsystems ist nichts, was aus einer Geldtheorie selbst abgeleitet und so auf irgendeine Weise legitimiert werden könnte. Vielmehr ist sie Gegenstand von gesellschaftlichen Kämpfen, kurz: von Politik. Paul ruft vor diesem Hintergrund weniger dazu auf, dieser Unabhängigkeit eine bestimmte Alternative entgegenzusetzen, sondern schlicht dazu, die Möglichkeit einer politisierten und demokratisierten Zentralbank wieder in die Verhandlungsmasse des politischen Diskurses aufzunehmen. Denn finanzpolitische Instrumente wie eine monetäre Staatsfinanzierung – das heißt eine Finanzierung von Staatsausgaben durch neu geschaffenes Geld – sind keine wissenschaftlich-theoretisch auszuschließenden, sondern potenziell anderen Interessen folgende Politikoptionen. Diese im Zeitalter des Neoliberalismus verschmähten Optionen werden in Anbetracht des gewaltigen Ausmaßes an notwendigen Investitionen in Bereichen wie Arbeit, Klimaschutz und Infrastruktur inzwischen immer häufiger ernsthaft ins Spiel gebracht.[6]

Wer sich heute politisch über Geld Gedanken machen möchte, bewegt sich mit Paul auf der Höhe der Debatte. Geldpolitik könnte von bloßer Verwaltung nicht weiter entfernt sein und eine Diskussion über mögliche Reformen des Geldsystems ist angesichts finanzieller Instabilität, Investitionsmangel und zunehmender Ungleichheit nicht zu vermeiden. Damit ist auch gesagt: Reine Umverteilungsdebatten oder auch Überlegungen zu weiteren Reformen des Finanzsystems (also etwa des Terminhandels) reichen hier nicht. Eine politische Debatte wäre zumindest unnötig begrenzt, konzentrierte sie sich allein auf obige Oberflächlichkeiten. Geldpolitik staatlichen Technokraten oder Algorithmen zu überlassen, ließe die mitunter wichtigste Arena politischer Gesellschaftsgestaltung unbespielt. Es ist Paul wiederum hoch anzurechnen, diese Sprengkraft undercover in eine sachliche und präzise Theorieeinführung einzuschleusen. Er eröffnet auf diesem Wege eine Debatte, ohne die Positionsbestimmung der Leserinnen und Leser zu determinieren.

Primat des Geldmediums

Die Schlusskapitel des Buches können als ein Plädoyer für eine Neukalibrierung wirtschaftssoziologischer und gesellschaftstheoretischer Forschungen gelesen werden, durch die die Soziologie des Geldes von einer Rand- zu einer Kernsparte aufstiege. In durch Niklas Luhmann geprägten Kreisen der Soziologie, aber auch weit über diese Zirkel hinaus, stellt man sich Gesellschaft als funktional differenziert vor. Man unterstellt, Gesellschaften zerfielen in einzelne Systeme wie Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Kultur, die nach eigenen Prinzipien und Logiken relativ autonom (allerdings natürlich nicht autark, also ohne wechselseitige Abhängigkeiten) arbeiten würden. Dazu gehört auch die These, dass diese Subsysteme eigene Steuerungsmedien ausgebildet haben, die alle grob nach demselben Prinzip funktionieren: Sie repräsentieren die Codierung ihres jeweiligen Systems und ermöglichen, ohne große Mühe an vorangehende Handlungen anzuschließen. Solche Medien „sind Deutungsstandards, denen eine gewisse Verführungskraft eignet, die zurückgewiesen werden können, aber angenommen werden ‚wollen‘“ (S. 225). Was Paul nun in Bezug auf das Wirtschaftssystem irritiert, ist weniger die Bestimmung des Geldes als dessen Medium, sondern vielmehr die Behauptung, es bestehe eine starke Ähnlichkeit zu anderen Kommunikationsmedien wie Wahrheit oder Macht. „Macht ist das Ansinnen Egos, Alter nach seiner Pfeife tanzen zu lassen, dem Alter nachkommt, weil Ego ihn bestrafen könnte. Wahrheit ist eine Beobachtung oder Feststellung Egos, die Alter bestätigt, weil er weiß, das Dritte es auch täten“ (ebd.). Und genauso kann Geld als ein Mittel dienen, mit dem Ego Alter motiviert, ihm etwas zu verkaufen. Und Alter tut das, „weil er im Gegenzug noch unspezifizierte Kaufkraft“ (ebd.) erhält. Es gibt allerdings entscheidende Unterschiede zwischen Zahlungen und den Operationen anderer Systeme und Medien. Geld, das zum Kauf und damit zur Fortsetzung von Zahlungsinteraktionen, eingesetzt wird, ist mit dem Akt des Zahlens weg; der Geldbesitz muss durch Einkommen regeneriert werden. Zwar müssen auch die anderen Systeme die Funktionalität ihrer Medien reproduzieren, aber geäußerte Thesen oder ausgeübte Macht reduzieren nicht auf dieselbe Weise die Interaktionsfähigkeit mit diesen Medien, wie es beim Ausgeben von Geld der Fall ist. Zumindest dann nicht, wenn man einzelne Subjekte in den Blick nimmt (und hier dürfte der Hase im Pfeffer liegen). Aber dieser Umstand ist eben nicht nur das ‚Problem‘ einzelner Personen, sondern ein gesamtgesellschaftliches: Erstens, weil die Operationen aller Systeme, wie Paul argumentiert, in der Regel unter einem Finanzierungsvorbehalt stünden (S. 226). Zweitens, weil Geld gleichzeitig für die Menschen in modernen Gesellschaften zur „Teilnahme- und Teilhabevoraussetzung zunächst am wirtschaftlichen, sehr bald aber auch am sozialen Leben überhaupt“ (S. 228) geworden sei. Drittens schließlich entstünde, so Paul, durch per zinstragenden Kredit erschaffenes und dann in Konkurrenz gehandeltes Geld eine spezifische Dynamik (nämlich ein „Wachstumszwang“, S. 227), die nicht nur das Wirtschaftssystem, sondern die kapitalistische Gesellschaft insgesamt bestimme. Und all das bekommt man nur dann in den Blick – so zumindest verstehe ich Paul – wenn man bedenkt, dass ausgegebene Budgets (anders als es bei Macht, Wahrheit oder Liebe der Fall ist) aufgebraucht sind und vom Zahlenden erneut eingenommen werden müssen. Geld ist aus diesen Gründen eben kein ausschließlich ökonomisches, sondern selbstverständlich ein alle Sphären des Sozialen durchdringendes Phänomen. Deswegen ist Geldsoziologie ist eigentlich keine Sparte der Wirtschaftssoziologie, sondern Gesellschaftsforschung.[7]

Nach Paul

Pauls Buch ist eine hervorragende Einführung in die Thematik des Geldes als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Theorie. Die Sprache ist klar, die Argumente sind detailliert wie auch verständlich und dennoch bleibt der Umfang überschaubar. Leserinnen und Leser können sich sowohl einen Überblick über konzeptuelle Dimensionen verschaffen, in denen über Geld nachgedacht wird, als auch Grundlegendes über die Funktionsweise von Finanzmärkten erfahren, sich über Prinzipien der Geldschöpfung informieren sowie über mögliche Reformen und Alternativen nachdenken. Eine solche Einführung freundlich auf weitere, vermeintlich vergessene, übersehene oder aussortierte Aspekte der Thematik hinzuweisen, ist meistens unfair, weil ein derartiger Hinweis das Genre der Einführung nicht ernst genug nimmt. Allerdings merkt Paul selbst an, dass er nicht, wie in der Junius-Reihe üblich, das Potpourri verschiedener populärer Theorien (Achtung: Mehrzahl) vermessen möchte. Vielmehr will er anstelle einer Auflistung verschiedener Zutaten und Rezepte möglicher Theorien des Geldes ein bekömmliches Gericht kredenzen, soll heißen: Er serviert eine, genauer gesagt seine Theorie des Geldes (S. 9 f.). Dementsprechend darf man sich natürlich nicht der Illusion hingeben, mit dem Thema Geld abschließen zu können, wenn man die Theorie des Geldes von Axel T. Paul gelesen hat. Für eine weitergehende Auseinandersetzung aber ist Pauls Theorie einer der denkbar besten Ausgangspunkte.

Nach der Lektüre Pauls könnte die Lesereise verschiedene Abzweigungen nehmen, von denen an dieser Stelle nur einige wenige vorgeschlagen werden sollen. Erstens gibt es eine Tradition der politischen Soziologie des Geldes, die Geldwert und Geldschöpfung als Effekte sozialer Kämpfe analysieren möchte.[8] Es scheint mir ein lohnendes Unterfangen, ihr Verhältnis zu einer eher funktionalistisch argumentierenden Umdeutung von Geldpolitik weiterzuverfolgen, als es Paul in dem hier besprochenen Buch möglich ist.

Zweitens gibt es theoretischen Zwist unter den Ansätzen, die sich im Anschluss an Viviana Zelizer[9] oder Nigel Dodd[10] mit den soziokulturellen Umgangspraktiken und Sinnzuschreibungen beschäftigen, die realiter zu einer Pluralität von Guthabenformen führen. Jene Theorieansätze gewinnen auch für eine „allgemeine“‘ oder „makroskopische“ Theorie, die von dem einen Geld der Geldgesellschaft ausgeht, an Relevanz, weil sie interessante Fragen der Differenzierung und Hierarchisierung stellen.[11]

Drittens könnte man im Anschluss an den traditionell genealogischen Ansatz der Geldtheorie, den auch Paul wählt, über die Relevanz dieses Theoriestils debattieren. Ist es für eine Theorie des Geldes heute wirklich entscheidend, wie eine solide historische Erklärung seiner Funktionen oder des Zustandekommens eines „modernen“ Verhältnisses zwischen Wirtschaft und anderen (mutmaßlich getrennten) Gesellschaftsbereichen aussehen könnte? Könnten geldtheoretische Debatten nicht viel fruchtbarer geführt werden, wenn man sie von der Aufgabe entlastete, solide Ursprungserzählungen bereitzustellen?

Viertens ist die Beziehung zwischen Geld und Schuld nicht nur eine historische. „Today’s money […] is composed of loan records“[12] – wir haben es mit „zirkulationsfähigen Forderungen“[13] zu tun, was wiederum bedeutet, dass wir mit Schulden bezahlen. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber ihre theoretische Reichweite und Bedeutung steht zur Diskussion. Für neuere schuld- respektive kredittheoretische Ansätze in der politischen Ökonomie, die Geld als eine solche credit-debt-relation begreifen,[14] ist die Frage, ob die schuldlogische Genealogie der Geldfunktionen einer tauschlogischen überlegen ist, wahrscheinlich sogar irrelevant. Es geht vielmehr darum, Geld nicht mehr allein als funktionierende Zahlungsfähigkeit, das heißt als Budget, zu beobachten, sondern als eine sehr konkrete soziale Beziehung zwischen einem Schuldner und einer Gläubigerin. Diese Umstellung der Geldsoziologie von einer Transaktionsperspektive auf eine relationistische Perspektive könnte als vierte theoretische Debatte angesehen werden, die sich im Anschluss an Paul führen ließe, ohne von dessen Einführung bereits vorweggenommen worden zu sein.[15]

In die Reihe möglicher Leseabzweigungen nach der Lektüre Pauls gehören fünftens schließlich auch die makroökonomischen Verhandlungen zwischen neoklassischer Ökonomik und dem alternativen Balance Sheet Approach.[16] Hier geht es nämlich im Kern um die Konsequenzen des Einsatzes verschiedener Geldtheorien: Weil die Neoklassik Geld nicht als eigenständiges theoretisches Problem behandelt, sondern einer Warentauschlogik unterordnet, kommt sie zu einer ganz anderen makroskopischen Theoretisierung ökonomischer Verhältnisse als jene heterodoxen Ansätze, die Geldschöpfung durch Kredit an den Anfang setzen.[17] Die immer noch neoklassisch imprägnierte Wirtschaftssoziologie wird sich in Zukunft zu derlei auf Makroebene angesiedelten Fragen verhalten müssen – und auch das ist Geldtheorie.

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hsozkult.de/ 2017 Hanno Pahl Rezension A.T. Paul: Theorie des Geldes zur Einführung

Für die letzten Jahre kann eine Konjunktur soziologischer Arbeiten zum Geld konstatiert werden.[1] Dies mag einerseits mit verstreuten Traditionslinien zusammenhängen, die es innerhalb der Soziologie immer gegeben hat. Dort wurden – oftmals in Abgrenzung zu ökonomisch-orthodoxen (in der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie fundierten) und in produktiver Anknüpfung an ökonomisch-heterodoxe Arbeiten (etwa des älteren ökonomischen Institutionalismus) – die monetären Strukturen moderner Gesellschaften analytisch aufgearbeitet. Es mag aber andererseits auch mit dem ab 2008 wieder angewachsenen allgemeinen Interesse an geldtheoretischen Fragestellungen zu tun haben. In Zeiten, in denen die gesellschaftliche Geldordnung ins Zentrum gesellschaftlicher Krisengeschehnisse und politischer Krisenbekämpfungsstrategien rückt, rücken vormalige SpezialistInnendiskurse ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Als gemeinsames Merkmal so gut wie aller einschlägigen aktuellen geldsoziologischen Beiträge kann eine Zurückweisung der innerhalb der Mainstream-Volkswirtschaftslehre bis heute dominanten tauschlogischen Grundkonzeptualisierung ausgemacht werden. Geld wird von Seiten der Geldsoziologie überwiegend eben nicht als „ein von individuellen Akteuren zur Optimierung ihrer Tauschchancen erdachtes Werkzeug“ (S. 10) begriffen, sondern als Medium bzw. „Verkörperung“ von Kredit- bzw. Schuldrelationen. Der Autor des hier zu besprechenden Einführungsbandes war mit seiner gewichtigen Schrift „Die Gesellschaft des Geldes“[2], die im Rahmen einer erweiterten Neuauflage auch die Krisengeschehnisse nach 2007 mit einbezieht[3], maßgeblich an der Konsolidierung einer solchen alternativen Sichtweise beteiligt. Das nun dezidiert als Einführung intendierte Buch beansprucht Axel Paul zu Folge „keine besondere Originalität, wohl aber eine gewisse Kohärenz“ (S. 9). Es richtet sich weniger an „Konkurrenten auf dem Gebiet der Geldtheorie“ (S. 10) – also FachökonomInnen – als vielmehr an „interessierte sozial-, kultur- oder geisteswissenschaftlich vorgebildete Laien“, denen der Autor plausibel machen möchte, „dass und warum das Geld ein ‚Gegenstand’ ist, den allein den Ökonomen und professionellen Anlegern zu überlassen ein intellektuelles Versäumnis und ein politisches Problem wäre“ (S. 10). Damit erweist sich das Buch auch als in besonderer Weise für einschlägige fachhistorische Forschungen anschlussfähig, etwa an aktuelle Beiträge zu einer historischen Epistemologie des Kapitalismus.[4]

Im ersten Kapitel resümiert und destruiert Paul die Tauschmitteltheorien des Geldes, die nach wie vor das Fundament mainstream-ökonomischer Forschung bilden. Als bemerkenswert hervorheben möchte ich hier insbesondere, dass Paul (S. 21ff.) sich nicht mit einer Kritik bescheidet, sondern auch Überlegungen zur bis heute andauernden Prominenz von Tauschtheorien anstellt. So lokalisiert er die Persistenz des tauschtheoretischen Mythos in seiner Stützfunktion für die bestehende Wirtschaftsordnung qua der Annahme einer Neutralität des Geldes, in Pfadabhängigkeiten wissenschaftlicher Theoriebildung sowie im gewöhnlich-alltäglichen Umgang mit Geld, der einem tauschtheoretischen Verständnis Vorschub leiste. Das zweite Kapitel – „Urszenen des Geldes“ – widmet sich detailliert den historischen Ursprüngen des Geldes. Hier wird gezeigt, dass Geld originär nicht als Tausch- sondern als Schuldentilgungsmittel fungierte und somit primär nicht-wirtschaftlichen Ursprungs ist. Gesondert wird unter anderem auf die Genese von Münzgeld eingegangen. Die entscheidende Leistung dieses Kapitels besteht darin, dass es Paul konzise gelingt, die zahlreichen historischen Arbeiten systematisch zu integrieren und – die Genese einzelner Geldfunktionen in den Blick nehmend – schrittweise zu einer Theorie des Geldes aufzuschichten.

Die Kapitel drei bis fünf adressieren die Eigenheiten monetärer Strukturen mit dezidiertem Bezug auf die Gegenwart: Im dritten Kapitel wird der Nexus von Geld und Finanzökonomie verhandelt. Ausgehend von der in der Zeitdimension liegenden Potenz des Geldes, „sich die Zukunft, wenn auch nicht zu erschließen, so doch offenzuhalten“ (S. 107), wird Keynes’ monetäre Theorie des Zinses gegenüber der realwirtschaftlichen Zinstheorie der Neoklassik stark gemacht. Dies wird fortgeführt mit Rekurs auf die mittlerweile weithin beachtete Theorie endogener Finanzmarktkrisen von Minsky (S. 125ff.), in der die Krisenhaftigkeit kapitalistischer Wirtschaften nicht – wie im ökonomischen Mainstream vorherrschend – über sogenannte exogene Schocks modelliert wird, sondern aus der immanenten Entwicklungslogik der Geldwirtschaft abgeleitet wird. Das vierte Kapitel widmet sich dem Terrain der Geldpolitik. Hier werden neben der Erläuterung der Ordnung eines zweistufigen, aus Geschäftsbanken und einer Zentralbank bestehenden Bankensystems – die den konstitutiv-politischen Charakter des kapitalistischen Geldes herausarbeitet – mit dem Phänomen der Bitcoins und dem Reformkonzept des Vollgeldes zwei aktuelle, quasi-idealtypische Reformvorschläge einer Vermarktlichung bzw. Verstaatlichung des Geldes kritisch diskutiert. Im abschließenden fünften Kapitel wird der Beitrag des Autors besonders als ein soziologischer erkennbar. In den beiden Unterkapiteln „Entfremdung und Fremdheit“ sowie „Geld und funktionale Differenzierung“ werden Strukturen, Effekte und Entwicklungstendenzen des Geldes (bzw. einer durchmonetarisierten Gesellschaft) in Engführung mit soziologischen Kerntheoremen und Zeitdiagnosen diskutiert.

Das Buch, das in deutscher Sprache keine vergleichbaren Konkurrenzprodukte kennt, wird seinem Einführungscharakter über die weitesten Strecken gerecht, ohne dabei substanzielle Verkürzungen zu produzieren. Die Lektüre ist zwar anspruchsvoll, was sich beim Thema Geld kaum vermeiden lässt, aber nur wenig voraussetzungsreich.

Als offene Fragen oder Punkte zum Weiterdenken möchte ich zunächst zwei eher innerakademische Problemlagen markieren. Erstens wäre zu eruieren, in welcher Weise der Soziologie des Geldes stärker im Feld „normalwissenschaftlicher“ wirtschaftssoziologischer Forschung Geltung verschafft werden könnte. Insbesondere seit dem Aufstieg der New Economic Sociology hat sich wirtschaftssoziologische Forschung zunehmend auf marktsoziologische Fragestellungen verengt, wobei die Institution des Geldes kaum aus eigenem Recht thematisiert wurde. Insbesondere mit den Rekursen auf einschlägige Reformkonzepte sowie das Spannungsfeld von Ökonomisierung und Differenzierung präsentiert Paul Einstiegspunkte, die Geldsoziologie stärker mit gegenwartsbezogener empirischer Forschung zu verknüpfen.

Zweitens wäre zu prüfen, inwieweit die Soziologie des Geldes näher an aktuelle Entwicklungen innerhalb der heterodoxen Ökonomik angebunden werden könnte. Die bis dato vorliegenden historisch und „qualitativ“ argumentierenden Arbeiten – denen auch das Buch von Paul zuzurechnen ist – können zwar die basalen Dynamiken der modernen Geldökonomie hinreichend einfangen und abbilden. Es wäre aber wichtig, mit jüngeren Entwicklungen im Feld passförmiger heterodoxer Ökonomik Schritt zu halten. Hardy Hanappi sieht agentenbasierte Modellierungen beispielsweise als profundes Mittel „to provide a way between Scylla and Charybdis, between the arcane dream worlds of mainstream, general equilibrium economists and the jungle of sociological singularities that leaves us in a forest of contradictory case studies“.[5] Agentenbasierte Modellierungen als mikrofundierte Simulationen von heterogenen Agentenpopulationen besitzen gegenüber den in der Mainstream-Ökonomik vorherrschenden Modellierungsweisen den Vorteil, auf allzu rigide und unrealistische Axiome (etwa das Postulat vollständiger Informationen sowie die Annahme eines repräsentativen Akteurs) verzichten zu können. Sie eignen sich aus diesem Grunde auch wesentlich besser zur experimentellen Umsetzung wirtschaftssoziologischer Theoriedesigns. Bisher wird innerhalb der Soziologie zu solchen und ähnlichen Weisen der Formalisierung eigentlich nur seitens des schmalen Segments der analytischen Soziologie beigetragen, dabei drängen sie sich im Fall des Geldes als auch quantitativem Phänomen geradezu auf.

Schließlich möchte ich abschließend und drittens einen politischen Aspekt kritisch benennen. Die von Axel Paul vorgeschlagenen Reformvorschläge für eine stärkere Demokratisierung der Geldpolitik (S. 191ff.) fallen relativ verhalten aus. Sie beschränken sich vornehmlich auf Hinweise/Forderungen, wonach „gewählte Organe eines Gemeinwesens die Zentralbank auch mit anderen Aufgaben [als Geldwertstabilität, H.P.] beauftragen oder andere Aufgaben priorisieren“ könnten (S. 192), oder darauf, „die Vorstände der Zentralbanken nicht allein aus dem Bank- und Börsenwesen sowie der academic community zu berufen, sondern auch Vertreter etwa der Gewerkschaften, der Kirchen, der Rententräger und der Sparer und Kleinanleger mit Grundsatzentscheidungen zu betrauen“ (S. 193).

Stellt man in Rechnung, dass im Gefolge der jüngsten Weltwirtschaftskrise zwar mit einigem Aufwand öffentliche Geldordnung und privates Bankensystem gerettet bzw. vorläufig stabilisiert werden konnten, zugleich aber die Zustimmung zu den etablierten Gesellschafts- und Geschäftsordnungen deutlich zu erodieren scheint, oftmals zu Gunsten alles andere als emanzipatorischer Alternativen, so mag man sich hier – der Rezensent jedenfalls tut dies – Reformperspektiven mit deutlich weniger angezogener Handbremse wünschen. In Rechnung zu stellen wäre, dass sich Reformbestrebungen jüngeren Datums, die primär am Geldsystem angesetzt haben – man denke an die Versuche der Einführung einer Tobin-Tax oder an die kurzlebige Occupy-Bewegung – keine nachhaltige Durchschlagskraft entwickeln konnten. Es könnte geboten sein, hier stärker an der Einheit oder strukturellen Kopplung von Produktion und Zirkulation anzusetzen, beispielsweise in der Weise, wie Nick Srnicek und Alex Williams dies in „Inventing the Future. Postcapitalism and a World Without Work“ skizziert haben [6], als Forderungen nach Vollautomatisierung und bedingungslosem Grundeinkommen

[1] Etwa André Orléan, The Empire of Value. A New Foundation for Economics, London 2014; Aaron Sahr, Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits, Hamburg 2017; Tobias Kohl, Geld und Gesellschaft. Zu Entstehung, Funktionsweise und Kollaps von monetären Mechanismen, Zivilisation und sozialen Strukturen, Marburg 2014.
[2] Axel T. Paul, Die Gesellschaft des Geldes. Entwurf einer monetären Theorie der Moderne, Wiesbaden 2004.
[3] Axel T. Paul, Die Gesellschaft des Geldes. Entwurf einer monetären Theorie der Moderne, 2., erw. Aufl., Wiesbaden 2012.
[4] Siehe etwa Mischa Suter, Rechtstrieb. Schulden und Vollstreckung im liberalen Kapitalismus 1800–1900, Konstanz 2016. Rezensiert von Monika Wienfort in: H-Soz-u-Kult, 20.12.2016, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-25951 (05.02.2018).
[5] Hardy Hanappi, Agent-Based Modelling. History, Essence, Future, München 2017, S. 2, https://mpra.ub.uni-muenchen.de/79331/1/MPRA_paper_79331.pdf (05.02.2018).
[6] Nick Srnicek / Alex Williams, Inventing the Future. Postcapitalism and a World Without Work, erw. Aufl., London 2016.


campus.de  2013  Macht und Geld – Über die gesellschaftliche Bedeutung monetärer Verfassungen – von Christian Postberg.

Christian Postberg beleuchtet zwei große geldwirtschaftliche Umbrüche: Im europäischen 13. Jahrhundert kam Silbergeld gesamtgesellschaftlich in den Umlauf, es entstand eine Kaufmannsschicht und Arbeit wurde käuflich. Im 20. Jahrhundert wurde statt Vollgeld das Kreditgeld maßgeblich. Der Finanzsektor erfuhr dadurch einen rasanten Aufstieg, während es zugleich zu Instabilität und Inflation kam. Vor dem Hintergrund dieser beiden Umbrüche untersucht der Autor auf der Basis eines machttheoretischen Zugangs, inwiefern sowohl Zwänge und Chancen einer Gesellschaft als auch die soziale Ungleichheit zwischen deren Mitgliedern durch die Art des Geldes geprägt sind. Dabei stellt er eine der dringendsten Fragen des modernen Kapitalismus: Ist Geld in seiner zeitgenössischen Ausprägung noch ein verlässlicher Indikator gesellschaftlicher Bedürfnisse und Abhängigkeite

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Aaron Sahr


versobooks.com 5-2022 Keystroke Capitalism – How Banks Create Money for the Few – by Aaron Sahr – Translated by Sharon Howe

How the creation of money makes the world go round – Contemporary capitalism produces more and more money, debt, and inequality. These three trends have a common cause: the privilege of private banks to create money by means of accounting—with the stroke of a key. Why was this privilege unaddressed politically for so long—and who benefited from that negligence? At the heart of the answer lies the realisation that the power to create money has been hidden by the way we commonly think and talk about capitalism. Keystroke Capitalism traces the omission of money creation from theories of capitalism and maps its consequences. By expanding the manoeuvring space for the banks to use their privilege, the capitalist countries have financed a transformation of the economy known as financialisation. It is not simply ‘the markets’ but money itself that transfers economic benefits from the masses to a minority.

“Aaron Sahr’s book provides a highly accessible synthesis of the state of knowledge on modern money and how it affects the political economy. Readers learn about the nature of fiat money and fiat credit and their contribution the financialization of contemporary capitalism, the conflicts it generates, and the consequences for the state and public policy.” -Wolfgang Streeck

“Why and how did a company with a huge cash pile in the bank—Apple Inc—set out to borrow $17 billion in 2013? How did the world’s billionaire class accumulate $418 trillion US dollars—an amount five times world income—in the blink of an eye? The answers can be found in this admirably accessible book on the way the globalised, private financial system generates ‘keystroke wealth’ and ‘keystroke capital gains’—but also its nemesis—‘keystroke debt.’ A must-read for all those fretting about the likely next crisis in the evolution of financialised capitalism.” Ann Pettifor

reviewsgoodreads.comamazon.com

ubi.org  15-3-2022  Book Review by Geoff Crocker “Keystroke Capitalism: How Banks Create Money for the Few” by Aaron Sahr

“Aaron Sahr offers a rich discourse on the huge growth of financial markets in modern economies and the implication for inequality. We face a ‘trinity of growing private wealth, mounting debt, and rising inequality’ (p8). We need to understand ‘the process of financialization’ (p7). Profits earned in the burgeoning financial sector far exceed those in productive industry (p13). Consumer household debt has grown hugely (p18,36). The welfare state is increasingly funded by borrowing (p100). Trade in financial derivatives has seen a ‘meteoric rise’ (p27). Real wages and the labour share of GDP has declined (p30,36).

To explain this Sahr asks ‘how do banks create money?’ (p55). Having explained the history of ‘fractional reserve banking’ (p58), Sahr points out that commercial banks do not lend money from the savings deposits of their customer, or according to some multiple of their central bank reserves, but purely on the demonstrable ability of the lender to repay the loan (p65, 109). Commercial banks create money from thin air (p66-68). This is what Sahr calls a ‘para-economic privilege’ (p68). He then asks ‘who are the keystroke rentiers?’ (p78). He quotes Adair Turner that 85% of bank generated credit has been used to purchase existing assets (p80). This has caused huge asset price inflation. 80% of the increase in the value of housing from 1950 to 2012 has been in their land content. Companies like Apple have bought their own shares back to inflate share prices (p84). Commercial banks create money at zero marginal cost and then earn both interest and seigniorage (p90,92). …”…

…”What Sahr doesn’t examine is government money creation for debt-funded government expenditure. Orthodoxy insists that when central banks create money for government expenditure, they accept a corresponding debt in a double-entry accounting system…”…

gm/caw: Sahr does address “direct financing”, and would have UBI as one of those options that should be an explicit political one open to debate, a debate enlightened by the realisation UBI is not and would not be paid by taxpayers money. Instead UBI could,eg, be one route by which purchasing power is allocated, ie money (as debit or credit) is emitted into the economy.


researchgate.net gg/pdf 2017 Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck von Aaron Sahr

bpb.de Inhaltsbeschreibung Keystroke-Kapitalismus

Warum gibt es neben gigantischen Privatvermögen eine riesige Zahl hoch verschuldeter Menschen, Unternehmen und Staaten? Von zentraler Bedeutung, so Aaron Sahr, sei das Finanzsystem, das als gewaltiger Transfermechanismus von unten nach oben funktioniere: Die Wohlhabendsten in der Gesellschaft seien die Gläubiger der Schuldnermehrheit, durch deren Zins- und Tilgungszahlungen sie noch reicher würden.

Im Kern dieses kapitalistischen Systems stehe die Geldschöpfung durch Banken: Sie könnten auf Knopfdruck Kapital – quasi aus dem Nichts – entstehen lassen, während die ökonomischen Risiken weitgehend anderen aufgebürdet würden. Wer, so fragt Sahr, solle in einer demokratischen Gesellschaft darüber entscheiden, wie viel neues Geld erzeugt werde und wem es zugutekomme?


deutschlandfunkkultur.de 2018 Geldschöpfung per Knopfdruck Aaron Sahr: „Keystroke-Kapitalismus“ – Buchbesprechung von Philipp Schnee 

Woher nehmen Banken das Geld für die Kreditvergabe? Auf die Rücklagen von Sparern sind sie dabei nicht angewiesen. Sondern: Die Banken schaffen das Geld aus dem Nichts und verfügen damit über ein Privileg, das dringend auf den Prüfstand gehört, schreibt Aaron Sahr.

Die Verteilung von Geld und Vermögen auf der Welt wird ungleicher. Das ist kein neuer Befund. Aaron Sahr, Philosoph und Soziologe am Hamburger Institut für Sozialforschung, macht dafür aber einen neuen Grund aus: die Geldschöpfung. Wer die soziale Frage auf der Höhe der Zeit reflektieren wolle, schreibt Sahr, müsse darüber reden, wer in einer demokratischen Gesellschaft eigentlich darüber entscheiden sollte, wie viel neues Geld erzeugt wird und wer dieses neue Geld bekommt. Geld ist für viele Menschen etwas sehr konkretes und einfaches. Schon als kleines Kind weiß man schnell, dass diese kleinen Metallstückchen mehr sind als kleine Metallstückchen, Geld eben. Wer sich aber intensiver damit beschäftigt, was Geld ist, wie Geld funktioniert, dem kann leicht schwindelig werden, weil alles so abstrakt, virtuell, im Wortsinne meta-physisch ist.

Geldschöpfung ohne echten Gegenwert Viele, so schreibt Sahr, denken noch immer, dass wenn Banken Kredite vergeben, sie dafür das Geld bei Sparern nehmen, um es den Schuldnern zu geben. Aber das brauchen Banken heute faktisch gar nicht mehr. Sie schaffen Geld aus dem Nichts. Quasi per Knopfdruck, englisch „Keystroke“. Den Banken reicht die Aussicht darauf, dass das Geld zurückgezahlt wird. Einen echten Wert hinterlegen, einen Gegenwert „haben“, müssen sie nicht. Banken haben das Privileg zur Geldschöpfung per Knopfdruck.
Diesen Befund hält Sahr für so folgenreich, dass er das heutige Wirtschaftssystem als „Keystroke-Kapitalismus“ bezeichnet. Die Veränderung des Kapitalismus seit den 1970er-Jahren hin zum „Finanz-Kapitalismus“, das heißt, dass mehr Geld in der Finanzwirtschaft als in der Produktion (manche sagen auch „Realwirtschaft“ ) verdient wird, ist oft beschrieben worden. Durch diese Verschiebung werde auch sehr viel mehr Gewinn aus der Geldschöpfung erwirtschaftet, so Sahr. Und diese Rendite aus der Geldschöpfung, aus den „Keystrokes“, werde vorwiegend von Vermögenden gemacht.

Ohne demokratische Kontrolle „Freie Märkte“ oder „Wohlfahrtsstaat“, diesen beiden Polen der heutigen wirtschaftspolitischen Diskussion müsse daher zwingend eine dritte Dimension hinzugefügt werden: das Privileg der Geldschöpfung aus dem Nichts. Märkte, Staaten, Kredite lautet Sahrs neues tripolares Spannungsfeld der Wirtschaftspolitik. Über diese dritte Dimension könne aber heute nur schwer debattiert werden, weil sie mit den bisherigen wirtschaftspolitischen Begriffen nicht fassbar, nicht analysierbar und damit nicht problematisierbar sei. In einer langen Herleitung fasst Sahr das Geldschöpfungsprivileg als zwar kapitalistische, aber nicht ökonomische Praxis und nennt sie „para-ökonomisch“. Daher glaubt er auch, dass eine Debatte über das Geldschöpfungsprivileg jenseits der klassischen wirtschaftspolitischen Fronten von „neoliberal“ und „links“ verlaufen kann.
Sahr plädiert schließlich für eine Demokratisierung des Keystroke-Kapitalismus, dafür, die Geldschöpfung zurück in den politischen Prozess holen. Bis man zu diesen starken Thesen, diesem starken Plädoyer kommt, muss man sich allerdings durch einen langen Vorlauf wühlen. Sahrs etwas inkonsequenter Stil, mal soziologisch trocken, mal salopp, dann wieder extrem meinungsstark, passt nicht immer zur Essay-Reihe der Hamburger Edition, in der das Buch erschienen ist. Anregend ist Sahrs Buch, trotz alledem, enorm.

bpb.de/shop/Aaron Sahr: Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck Hamburger Edition, Hamburg 2017


 gg/pdf 2017 Das Versprechen des Geldes    – Eine Praxistheorie des Kredits – von Aaron Sahr

… “Es scheint mir notwendig zu sein, die vorherrschende warentheoretische Ontologie des Geldes (Antwort 1) durch ihre kredittheoretische Alternative (Antwort 2) zu ersetzen. Dieser Wechsel wird von heterodoxen Ökonomen und in der jüngeren Vergangenheit auch von Soziologen gefordert, ist aber weit davon entfernt, Lehrmeinung zu sein. Gleichermaßen sind die bisherigen Versuche der soziologischen Übersetzung heterodoxer Kredittheorie in einem gewissen Sinne noch nicht weit genug gegangen Ich werde deswegen vorschlagen, den Wechsel von der Waren- zur Kredittheorie aus der Perspektive einer Soziologie der Praxis zu lesen. ” (18)

Aaron Sahr_Das_Versprechen_des_Geldes Leseprobe PDF


deutschlandfunkkultur.de/  6-2021 Theorie der Geldentstehung – Warum man Geld einfach drucken kann -Aaron Sahr im Gespräch mit Christian Möller – Was man ausgibt, muss man vorher erst einnehmen, so sagt man. Aber stimmt das auch für Staaten? Keineswegs, sagt der Geldforscher Aaron Sahr. Er erklärt, warum Geld erst durch Schulden entsteht – und die schwarze Null in die Irre führt.

…”Geldschöpfung muss in die politische Debatte – Die Gründe für die Schieflage des Geldsystems und die anhaltende Verbreitung überkommener Geldvorstellungen sieht Sahr in einer Gemengelage aus „Unkenntnis, Irrtümern und Interessen“. So profitierten etwa von der Freiheit privater Banken, Geld zu schöpfen, „diejenigen, die mit Aktien handeln oder mit Immobilien spekulieren wollen“.  Für die Zukunft wünscht sich Sahr zunächst ein möglichst „breites, öffentliches Gespräch darüber, was Geld eigentlich ist und woher es kommt“. Denn bisher sei die Frage der Geldschöpfung in der Öffentlichkeit kaum vorhanden.  „Wir haben ständig über Verteilung gesprochen: Wer hat wie viel Geld? Wem darf es weggenommen werden? Wohin soll es dann verschoben werden? Aber die Frage, wie es entstehen sollte und welche Möglichkeiten eigentlich in Geldschöpfung stecken, das gehört einfach nicht zum Inventar unseres politischen Diskurses. Und das müssen wir erst mal erreichen“, fordert der Soziologe.”


politischekonomie.de/interview-mit- 2-2022 Aaron Sahr: „Das Geldsystem muss nicht das Problem sein, es könnte auch die Lösung sein.“ – Geld gehört auf selbstverständliche Weise zu unserer Lebenswelt dazu, doch woher kommt unser Geld eigentlich und wie diskutieren wir darüber? Muss Geld immer eine knappe Ressource sein? Diese und andere Fragen hat unser Herausgeber Otmar Tibes mit dem Hamburger Wirtschaftssoziologen und Autoren Aaron Sahr besprochen.


soziopolis.de   2015 Aaron Sahr – Essay  – Von Richard Nixon zur 1.000.000.000.000-$-Münze – Kreditgeld als politische Verknappungsaufgabe 

“In den ersten Wochen des Jahres 2013 hätten die Vereinigten Staaten von Amerika fast die Knappheit abgeschafft – mit einem Geschenkartikel. Die in die Jahre gekommene Weltmacht stand vor einer drohenden Katastrophe, dem zumindest teilweise selbst verantworteten Staatsbankrott. …  In dieser Situation verfestigter Fronten drang über eine Reihe ökonomischer Weblogs plötzlich eine seltsam anmutende Idee an die Öffentlichkeit. Selbst prominente Vertreter der Zunft, wie etwa der Nobelpreisträger und New York Times-Kolumnist Paul Krugman, unterstützten den Vorschlag.[3] Um den Republikanern im Kongress den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Insolvenz der Weltmacht zu vermeiden, sollte der Präsident das Department of Treasury anweisen, eine einzelne Platinmünze im Nennwert von einer Billion Dollar zu prägen. Damit hätte die Regierung auch ohne ein Votum des Kongresses finanziellen Spielraum gewonnen.  …

Man kann sich nicht einfach so viel nehmen, wie man möchte, was seinen guten Sinn hat, verlöre Geld andernfalls doch in genau dem Moment seinen Wert, wo eine derartige Selbstschöpfung möglich würde. Deswegen, so lässt sich der Gedanke weiterführen, darf sich auch die Regierung nicht einfach selber herstellen, was sie grade braucht.  Auf der anderen Seite vermerkte der amerikanische Ökonom Richard Duncan, die globale Geldmenge sei zwischen 1970 und dem Jahr 2000 um beeindruckende zweitausend Prozent gestiegen.  …

Der Politik fällt daher eine kaum lösbare Doppelaufgabe zu. Sie muss einerseits für Sicherheit und Stabilität sorgen, um die Fortsetzung des fragilen Kreditprozesses zu sichern, ist andererseits und gleichzeitig aber aufgefordert, Mäßigung, also Skepsis herbeizuführen. Für einen solchen Balanceakt fehlt jedes Patentrezept. Das Wachstum der Schuldenstände und Bankbilanzen zu bremsen, scheint dringend angeraten, machen immer höhere Risiken doch weitere Krisen nicht grade unwahrscheinlicher. Eine Politik, die Mäßigung prämiert, würde aber Verknappung bedeuten, was die Politik unter hohen Selektivitätsdruck setzt. Sie hat Entscheidungen zu fällen und durchzusetzen, die Benachteiligungen nicht vermeiden kann. Denn das Kreditgeld lässt sich nicht für alle gleichermaßen verknappen. Um den sozialen Bias von Verknappungspolitiken auszutarieren und ein letztlich auch für den Geldsektor fatales Austrocknen der Realwirtschaft zu verhindern, muss die Politik mit eigenen Schulden umverteilen, also paradoxerweise gerade einer Reduktion der Schuldenmenge entgegenwirken. Das in einer derart verfahrenen Situation selbst bizarre Lösungen wie die Eine-Billion-Dollar-Münze ihr window of opportunity finden, ist wenig erstaunlich. Es zeigt, dass die Rollenverteilung zwischen der Politik und den Firmen, die disponible Zukünfte herstellen, gerade selbst zur Disposition steht – mit ungewissem Ausgang.”          hier das ganze Essay bei soziopolis lesen


Tomas Sedlacek

hanser-literaturverlage.de

Die Ökonomie von Gut und Böse Die meisten unterschätzen, wie tief die Ökonomie in der Kultur verwurzelt ist. Nicht so Tomas Sedlacek. Er behauptet: “In der Ökonomie geht es um Gut und Böse. Es geht um Menschen, die Menschen Geschichten über andere Menschen erzählen. Selbst das ausgefeilteste mathematische Modell ist eine Parabel, eine Geschichte, mit der wir die Welt um uns herum zu begreifen versuchen.” Sedlacek erschüttert unseren Begriff von Wirtschaft wie wenige vor ihm. Sein Buch ist ein faszinierender Gang durch die Welt der Ökonomie – vom Gilgamesch-Epos über das Alte Testament und Adam Smith bis zur Wall Street und zur Wirtschaftskrise. Und ganz nebenbei erfahren wir, warum die Sprache der Wirtschaft, die Mathematik, nicht wertfrei und kühl ist, sondern schön und sogar verführerisch …

Bescheidenheit – für eine neue Ökonomie Mit seinem Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ machte Tomas Sedlacek Furore – in Deutschland, aber auch international. In seinem neuen Buch liest der „Kobold unter den farblosen Ökonomen“ seiner Zunft die Leviten: Zusammen mit dem Mathematiker David Orrell kritisiert er den blinden Glauben vieler Ökonomen an mathematische Modelle, die offensichtlich nichts taugen und uns ins Verderben geführt haben: Statt mehr Sicherheit zu bringen, haben sie unsere Welt riskanter gemacht. Nun werden wir erdrückt von Schulden – und daran werden auch die immer hektischer aufgespannten Rettungsschirme nichts ändern. Sedlacek fordert etwas Unzeitgemäßes und gerade deshalb sehr Aktuelles: mehr Bescheidenheit.

Revolution oder Evolution Die Bestsellerautoren Tomas Sedlacek und David Graeber debattieren über Alternativen zum Kapitalismus. Soziale Ungerechtigkeit, Naturzerstörung sowie die Schulden- und Finanzkrise lassen zweifeln, ob die Marktwirtschaft die richtige Lösung für die Probleme unserer Zeit ist. Der Bestsellerautor Tomas Sedlacek (“Die Ökonomie von Gut und Böse”) bricht dennoch eine Lanze für den Kapitalismus: Er ist das beste Wirtschaftssystem, das wir kennen. Aber er muss von Grund auf reformiert werden. David Graeber (“Schulden: Die ersten 5000 Jahre”) hält dagegen: Der Kapitalismus ist nicht mehr reformierbar, er gehört abgeschafft. Unsere Wirtschaft braucht ein anderes, gerechteres System. Die Stars der Kapitalismuskritik treffen aufeinander – und beziehen pointiert Stellung.

Lilith und die Dämonen des Kapitals Der Bestsellerautor Tomas Sedlacek seziert unser Wirtschaftssystem – und zeigt, dass es zutiefst gestört ist . Mit seinem Bestseller “Die Ökonomie von Gut und Böse” positionierte sich Tomas Sedlacek als Star der Kapitalismuskritik. “Die Dämonen des Kapitals” seziert unser Wirtschaftssystem und zeigt: Es ist zutiefst gestört. Viele glauben: Die Wirtschaft funktioniert nach den Gesetzen der Logik. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Wirtschaft wird erschüttert von immer neuen Krisen, ihre Akteure – Notenbanker, Manager, Politiker – sind oft getrieben von Wahnvorstellungen und Persönlichkeitsstörungen. Wer die Ökonomie wirklich verstehen will, muss sie durch die therapeutische Brille betrachten. Tomas Sedlacek und Oliver Tanzer legen unsere Wirtschaft auf die Couch und kommen zu überraschenden, aber auch verstörenden Einsichten.

goodreads books and reviews


Georg Simmel  Philosophie des Geldes  2016  David Johann Lensing  –  video  –  hier lesen


L&R SOZIALFORSCHUNG – gg pdf   2008  Biographie des Geldes  von  Susi Schelepa, Claudia Sorger


arbeiterkammer.at – gg-pdf   2009   Macht geld Sinn.  Biographie des Geldes   Eine Sekundärauswertung der Studie „Biografie des Geldes“ von  Susanne Schelepa und Claudia Sorger  –  Ulrich Schönbauer

arbeiterkammer.at   Die gegenständliche Untersuchung basiert auf einer Sekundärauswertung der Studie „Biographie des Geldes“ (Schelepa/Sorger, 2009), in der mittels Tiefeninterviews das Einnahmen- und Ausgabenverhalten im Laufe des Lebens nachgezeichnet wurde. Geld bildet den „Sinn des Lebens“ in zweifacher Hinsicht ab. Einmal auf der Erwerbsseite: Wofür will ich Arbeit investieren, um meinen Unterhalt zu bestreiten? Warum arbeite ich also gerade das und nicht etwas anderes? Und andererseits auf der Ausgabenseite: Was tausche ich für meine Arbeitsleistung ein? Für welchen Konsum- und Lebensstandard genieße ich die Freuden und nehme die Leiden des Erwerbslebens auf mich?


eddiejackson.net/PDF   Georg Simmel – The Philosophy of Money –  3rd ed – by Tom Bottomore, David Frisby
In The Philosophy of Money, Georg Simmel presents a remarkable and wide-ranging discussion of the social, psychological and philosophical aspects of the money economy. He provides us with a detailed analysis of the circulation and exchange of commodities, while considering the relationship of money to the human personality, the position of women, individual freedom and other key areas of human existence. Through this
he creates a series of brilliant insights into the forms which social relationships take and gives us a comprehensive analysis of the interrelationships between the most diverse and seemingly unconnected
social and cultural phenomena. This pioneering work by Georg Simmel has increasingly been recognized
as an important and influential economic and sociological text. This edition contains a substantial new preface by David Frisby, in which he reconsiders Simmel’s ideas and theories in the light of historical and
contemporary concerns.


wikipedia.org – Otto_Steiger_(economist)


zinsfehler.com/  2019  Warum können wir unser Geldsystem nicht richtig verstehen?  von Michael Stöcker

“Es ist schon erstaunlich, dass nicht nur Laien ein Verständnisproblem mit einem Medium haben, mit dem wir alle wie selbstverständlich tagtäglich umgehen, sondern insbesondere auch diejenigen, die sich hiermit eigentlich auskennen müssten: Banker und Zentralbanker. Sogar die Deutsche Bundesbank und die Schweizer Nationalbank (SNB) hatten bis zu Beginn der Finanzkrise eine falsche Darstellung der Geldschöpfung in ihren Unterrichtsmaterialien verbreitet und somit zur Verwirrung einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet. Die SNB hat diese Fehler erst 2016 richtig gestellt. …

… Zu Ihrer Frage nach dem fiktiven Kapital: Ja, es gibt sicherlich zu viel fiktives Kapital und es wird auch weiterhin viel zusätzliches fiktives Kapital über den Bankkredit geschaffen, um Bestandsassets zu erwerben (Assetinflation). Dagegen kann man z. B. mit verstärkten EK-Vorschriften der Banken vorgehen (siehe hierzu der Vorschlag von Neel Kashkari) sowie einem antizyklischen Kapitalpuffer bei überdurchschnittlicher Entwicklung der Assetpreise.  Über ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld kann man letztlich einen großen Teil des fiktiven Kapitals erhalten, da hierdurch mittelbar auch die Schuldner liquide gehalten werden und somit Abschreibungen vermieden werden können (indirekte Rekapitalisierung des Finanzsektors). Dadurch entsteht im ersten Schritt zwar zusätzliches fiktives Kapital in Form von Staatsschulden/Zentralbankgeld, aber dieses kann über eine zu reformierende Erbschaftssteuer ex post wieder abgeschöpft werden.”


Christoph Türcke geht den archaischen Ursprüngen des Geldes nach und entwickelt eine historisch philosophische Genealogie, die von den sakralen Anfängen bis in die Gegenwart reicht. Detektivisch legt er offen, wie es zur „Plusmacherei“ und wie es zur Münze kam. Er stellt das kapitalistische Geldsystem ebenso auf den Prüfstand wie seine sozialistischen Überwindungsversuche und die Hoffnungen auf einen geldlosen Zustand. Im Geld steht die Welt Kopf. Seine ungeheure Faszinationskraft und Dynamik sorgen dafür, dass es zusehends in nichtmonetäre Räume eindringt und sie umkrempelt. Geld besetzt unsere Wünsche und Gedanken – und das keineswegs erst seit der Einführung der Münze oder gar dem Beginn des neuzeitlichen Geldumlaufs. Dennoch ist nicht ausreichend geklärt, was Geld ist – weil nie radikal genug danach gefragt wurde, wo es herkommt. Wer das erfahren will, muss mit Christoph Türcke ins Dunkel der Frühgeschichte eintreten. Von dort aus aber lässt sich das Geheimnis des Geldes lüften. Noch nie ist eine Erklärung des Geldes vorgelegt worden, die so tief und früh ansetzt und dabei so viel Licht in neuere und neueste Geldbewegungen bringt.

amazon Rezensionen

  • “Vielleicht sollten wir statt Adam Smith und Marx ‚Mehr‘ beziehungsweise Chrisoph Türcke lesen!“ 
    Hans Schönherr-Mann, Deutschlandfunk, 27. August 2015
  • “Ungemein aufschlussreich, was Türcke über die Genealogie des Geldes schreibt.“ 
    Dirk Pilz, Frankfurter Rundschau, 31. Juli 2015
  • “Ein großartiger Stilist hat eine anregende Geschichte des Geldes geschrieben.“
    Christoph Fleischmann, WDR, 2. April 2015 
  • “So wie Türcke hat uns bislang noch keiner die ‘Philosophie des Geldes’ beigebracht.”
    SWR, 9. März 2015
  • “In seiner Philosophie des Geldes verbinden sich Psychoanalyse, politische Ökonomie und nicht zu vergessen Theologie zu einem dialektischen Amalgam, dessen gedanklicher Ertrag aber in jeden Fall fasziniert.”
    Burkhard Müller, Süddeutsche Zeitung, 5. März 2015 
  • “Ein Markt der Gedanken zur Geschichte des Geldes.”
    Hans-Peter Kulisch, Philosophie Magazin, Frühjahr 2015 
  • “Es ist ein Genuss, wie vernünftig sich der Autor in diesem Kraftfeld bewegt, ohne jeglichen ideologischen Irrungen anheimzufallen – und dabei noch packend zu schreiben weiß.”
    Robin Droemer, Hohe Luft Philosophie Magazin, März 2015
  • “Eine exzellente Geschichte des Geldes (…) fällt definitiv unter die guten, um nicht zu sagen faszinierenden Bücher, und ist noch dazu glänzend geschrieben.”
    Joseph Gepp, Falter Verlag, 11. März 2015

jstor.orgPDF    1951   SCHEINPROBLEME DER GELDTHEORIE    Otto Veit

“Unbestritten ist die theoretische Forderung nach Einbau des Geldes und seiner Probleme in den volkswirtschaftlichen Gesamtkreislauf. Was in der theoretischen Forschung geschieht, ist meist das Gegenteil.”


GM J Vogl Seite  2010  Joseph Vogl  2010   Das Gespenst des Kapitals


cicero.de   2014 MAX WEBER   Herrenlose Sklaverei des Marktes   von Max A. Höfer

grin.com/Hausarbeit   2004  Geld und Geldwirtschaft. Zu Georg Schimmels “Soziologie des Geldes” und Max Webers “Geist des Kapitalismus”    F S FELICITAS SÖHNER 

artneuland.com    2007  Geld als Gottesbegriff?   Norbert Bolz    > Marx, Weber, Benjamin


Der Mythos vom Geld  1995  Die Geschichte der Macht  von Stephen Zarlenga

Umschlagtext:  Zarlengas umfassende Geschichte des Mythos vom Geld-vom Tauschhandel bis hin zur europäischen Währungsunion, vermag Wissenschaftler, Fachleute und Laien gleichermaßen zu faszinieren.

Dies ist die kritische Geschichte des Geldes und der Währungen. Die oft überraschenden Thesen Zarlengas belegen, daß die säkulare Macht in einer Gemeinschaft vor allem von ihrem Geld- und Bankersystem ausgeübt wird – und nicht, wie wir naiverweise anzunehmen gewillt sind, von Regierungen und Volksvertretern. Während Regierungen und Volksvertreter im Mittelpunkt des öffentlichen interesses stehen, werden die wirklich wesentlichen gesellschaftlichen Fragen oft hinter den Kulissen, in Banken, Börsen und Devisenmärkten, entschieden. Zarlengas These, daß “eine falsche Definition des Geldbegriffs häufig dazu geführt hat, daß bestimmte Gruppen oder Personen Macht über das Geldwesen einer Gesellschaft und damit auch über die Gesellschaft selbst ausüben konnten”, wird mit der Beschreibung der Geschichte dieser monetären Machtausübung – vom Tauschhandel bis hin zum Euro – belegt. Gerade im Vorfeld der Einführung der europäischen Währungseinheit ist das Wissen über die Geschichte des Geldes von entscheidender Bedeutung, denn die Auswirkungen eines monetären Systems werden manchmal erst nach Generationen sichtbar.  Zarlenga legt eine umfassende Geschichte des Geldes und der Währungen vor, die Fachleute und Laien gleichermaßen zu faszinieren vermag und die geeignet ist, unser Gesichtsfeld erheblich zu erweitern.

amazon/kindl – Leseprobe/Inhalt  1998  Die verlorene Wissenschaft des Geldes…

goodreads reviews

wikipedia   (transl)  …”Zarlengas Ansichten werden von zahlreichen Personen unterstützt, darunter Post-Keynesianer wie der Australier Steve Keen und der Amerikaner Michael Hudson  und Mainstream-Ökonomen wie der deutsche ehemalige Bankier Michael Kumhof, der The Lost Science „ein meisterhaftes Werk“ fand. Die in London ansässige Organisation Positive Money fördert die Ansichten von Zarlenga, während im Juni 2018 in der Schweiz ein Referendum über den Vorschlag “Abschaffung des von Banken geschaffenen Geldes” stattgefunden hat. Der Vorschlag wurde “in einem Erdrutsch” mit etwa 76% der Wähler dagegen vereitelt. Im Jahr 2010[15] und erneut im Jahr 2016[16] nahmen die Green Party, USA, in ihrer Plattform zu den wirtschaftlichen Vorschlägen im Einklang mit Zarlengas Vorstellungen über die Verstaatlichung der Fed, die Abschaffung des fraktionierten Bankwesens, die Schaffung durch den Staat nur sogenanntes “schuldenfreies Geld” usw. …”…

youtubemonetary.org  2017  A Celebration of the Life and Work of Stephen Zarlenga, obituaries/messages by eg Joseph Huber, Michael Hudson gaiageld/caw 2021  Obwohl der Autor gut genug positioniert war um die US Regierung zu beraten, fand er anscheinend keinen Verleger in den USA und das Buch erschien zuerst ins Deutsche uebersetzt in einem Schweizer “Esoterik” Verlag?  Das Buch bietet eine detaillierte “chartalistische” Geschichte des Geldes aus einer  ideologisch und akademisch relativ unabhaengigen Perspektive und basiert auf einem sorgsamen Studium aller Literatur die die US-Kongressbibliothek zu bieten hatte. Es ist gefuellt mit unschätzbarer Detail und – Zusatzinformationen über alte und neue Episoden in den Machtspielen um die Kontrolle von “Seignorage” und Geldemission. Obwohl es auf die Muenzgeschichte fokusiert, klammert es Geld als Kredit keineswegs aus. Auch ist es gefuellt mit Argumenten und Fakten im Widerspruch zum  Barter Mythos vom Geld als Markt- und Tauschprodukt. Eine massives Referenzwerk fuer jeden Geldforscher. 


Geldreformer A-Z 


FranzHoermann.com

youtube  2019  Wirtschaftsgipfel Bern Interview mit Prof. Dr. Franz Hörmann  

Das Ende des Geldes: Wegweiser in eine ökosoziale Gesellschaft  by Franz Hörmann , Otmar Pregetter»”Die Zeit der Banken und des Geldes ist vorbei”, schreiben die beiden Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann und Otmar Pregetter. Denn Banken erfinden Geld aus Luft, die freien Märkte sind Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten, unser gegenwärtiges Finanzsystem ist ein reines Betrugsmodell. Die Folge: Der ultimative Finanzcrash droht; damit verbunden, das Ende des Geldes.

Doch die beiden Autoren verbreiten in diesem Buch keineswegs Hiobsbotschaften, wenn sie “grundlegende Veränderungen der Gesellschaft” fordern. Sie zeigen realistische Möglichkeiten auf, wie eine Gesellschaft auch ohne Geld funktionieren kann, und sie bieten einen Wegweiser in eine ökologisch und sozial orientierte Zukunft.«

Franz Hörmann – Das Ende des Geldes – Exzerpte

p6  Nun hängen aber die in astronomische Dimensionen anwachsenden globalen Schuldensummen mit der Methode der Gelderzeugung ursächlich zusammen. Das heute weltweit verwendete Geld entsteht als Schuldschein, es handelt sich somit um Schuldgeld! Wer auch immer glaubt, er könne mittels dieses Geldes seine (Bank)Schulden zurückzahlen, der irrt! Die Erzeugung von Geld ist zugleich eine Erzeugung von Schuld, ihre Rückzahlung daher stets eine Geldvernichtung! Dies ist der zentrale Zusammenhang zwischen Geldsystem und Verschuldung, der jedoch von offizieller Seite nicht oder nur sehr ungern und nur in äußerster argumentativer Bedrängnis eingestanden wird.

p8   Danach weisen wir auf die zentrale Widersprüchlichkeit des heutigen Geldsystems hin, indem wir nachweisen, dass die üblicherweise behaupteten Funktionen des Geldes (Wertmaßstab, Tauschmittel bzw. Wertaufbewahrungsmittel) nicht nur von diesem nicht erfüllt werden bzw. auch überhaupt nicht erfüllt werden können, sondern dass diese sogar in sich selbst widersprüchlich und daher in dieser Kombination schlicht denkunmöglich sind.

p26   Blanchard ,in seinem Artikel „Rethinking Macro-Economic Theory“ vom 16. Februar 2009 äußerte er schwere Bedenken, dass angesichts dieser Krise die Theorie der Invisible Hand (die modellhafte Annahme, dass der freie Markt automatisch und wie von einer Geisterhand gesteuert ein Marktgleichgewicht herstellen werde) neu überdacht werden müsse. Er erwähnte u. a. dass es ein Fehler der monetären Theorie gewesen sei, sich nur auf den Zins und das Inflationsziel zu konzentrieren und der Finanzmarktregulierung/Fiskalpolitik keine große Bedeutung beigemessen zu haben. Sogleich traten die „Prediger der Dogmen des Freien Marktes“ in Gestalt von Otmar Issing und Axel Weber, beide beamtete Würdenträger der Finanzalchemisten, in Aktion und kanzelten Herrn Blanchard in einer Weise ab, die man nur so interpretieren kann, dass sie selbst Opfer des eigenen Bildungssystems geworden sind.

p46  Von Julius Caesar zur Bank von England

p47  John Laws Experimente

p53  William K. Black, einer der wichtigsten US-Bankenprüfer jener Zeit, der in dieser Rolle damals mit diesen Problemen befasst war. Sein Buch sollte daher eigentlich Pflichtlektüre für jede Banker-Schulung und jede Bankaufsicht der Welt sein, wenngleich schon dessen Titel als Kurzfassung genügen sollte: „The Best Way to Rob a Bank is to Own One“!

Auf akademischem Boden wurde der Debitismus, also die Lehre vom Schuldgeld, Geld als Schuld zum Unterschied von Geld als Tauschmittel, vom deutschen promovierten Volkswirt und Wirtschaftsjournalisten Paul Christoph Martin begründet. Zeitgleich, vielleicht sogar schon etwas früher, begannen der Hochschullehrer, Soziologe und Ökonom Gunnar Heinsohn und der Professor für Wirtschaftswissenschaften am Institut für Konjunktur- und Strukturforschung (IKSF) an der Universität Bremen ebenfalls, Geld nicht als Tauschmittel sondern als Schuldregulierungsmittel darzustellen

p57  Der Konkurrenzkampf um die Bankzinsen ist also in Wahrheit die Ursache dafür, dass unser Wirtschaftssystem ein Kampf aller gegen alle geworden ist.

p59   Dann passiert bei vielen Kreditkartenfirmen auch noch Folgendes: Sachbearbeiter überwachen die Kontostände der Kreditkartenkunden. Werden diese Schulden uneinbringlich, dürfen die Sachbearbeiter bis zu einer maximalen Betragshöhe diese einfach ausbuchen, also die Schuld einfach löschen, da die Einbringung sonst zu aufwändig wäre. Die Freunde und Verwandten einiger dieser Sachbearbeiter kennen aber diese Betragsgrenze. Sie wissen bis zu welcher Höhe ihr Freund bzw. Verwandter diese Kredite einfach löschen kann, beantragen eine Karte, geben Geld unterhalb dieser Grenze aus und überweisen es niemals vom Giro- auf das Kreditkartenkonto. Das ist dann natürlich ein „ganz schlimmes Verbrechen“. Das wird von Prüfern auch genau überwacht, die sogar mit eigenen mathematischen Methoden die Häufigkeit kontrollieren, wie oft von einem Sachbearbeiter ausgebuchte Kredite ganz knapp an sein Limit heranreichen. In Wahrheit ist es aber auch nichts anderes, als die „Bankster“-Methode des Kaufes einer Pleitebank in Kombination mit einem nie zurückgezahlten Kredit. Da aber die Beträge viel niedriger und diese Personen kaum mit politischen bzw. finanziellen Eliten verwandt oder verschwägert sind, trifft sie der „strenge Arm des Gesetzes“ wesentlich öfter.

Wer hätte denn schon einmal in den Medien Berichte darüber vernommen, dass Bankeigentümern der Prozess gemacht wird? Vielleicht sehen Sie jetzt auch die sogenannte Subprime-Krise und die Motive der daran beteiligten Personen in etwas anderem Licht. Ein Kreditbrief ist nichts anderes als ein Schuldschein für eine Schuld, die niemals beglichen wird, für welche aber laufend Zinsen fällig und bezahlt werden. Dieser wird sodann an andere Banken verkauft. Die Ratingagenturen vergaben für dieses Finanzprodukt die Bestnote (Triple-A, AAA) sogar ohne Prüfung. War das wirklich alles nur Inkompetenz und Verbrechen? Genauer betrachtet, und vor dem Hintergrund der Funktionsweise des Schuldgeldsystems, erkennen Sie hier, dass es sich um nichts anderes handelt, als die Grundstruktur, nach der weltweit alle heutigen Währungssysteme funktionieren. Dollar, Euro, Yen, britisches Pfund etc. – sie alle sind nichts anderes als Subprime-Kreditbriefe.

Eine Schuld, die nie zurückbezahlt werden wird, nämlich die Staatsschuld, deckt Papier, hier die Geldscheine, die (Staats-)Schuld wird verzinst und der Kreditbrief (Geldschein) als Zahlungsmittel weitergegeben. Wenn also die ungedeckten Subprime-Kredite nicht funktionierten, dann kann auch das gesamte weltweite Geldsystem nicht funktionieren – solange es nicht durchschaut wird, gebührt ihm aber die „Bestnote AAA“. Und glauben Sie uns, amerikanische Banker wissen das genau.

p67  Chefredakteur der Harvard Business Review, Joel Kurtzman, verfasste Buch „Death of Money –

p80  scarcity is a myth

p84  Die Funktionsweise von Geld ist daher nicht neutral, sondern stets interessengeleitet.

p92  Steuern sind in der Tat eine äußerst fragwürdige Erfindung. Wenn der Staat wieder das Recht der Geldschöpfung für sich selbst beanspruchen würde, anstatt dieses den privaten Notenbanken zu überlassen, dann bestünde auch überhaupt kein Grund, den Staatsbürgern Teile ihres sauer erworbenen Einkommens wieder wegzunehmen, denn er könnte jenes Geld, das er benötigt, einfach selbst schöpfen.


Joseph Huber

amazon.de    2018  Monetäre Modernisierung: Zur Zukunft der Geldordnung: Vollgeld und Monetative Im letzten Vierteljahrhundert haben sich mehr Finanzkrisen ereignet als je zuvor in einem solchen Zeitraum. Die Wurzel des Problems liegt im Geldsystem. Schon seine Bezeichnung als ‘fraktionales Reservesystem’ mit ‘multipler Geldschöpfung’ weist darauf hin, dass die Geldordnung undurchsichtig und kaum kontrollierbar ist. Das verselbständigte Giralgeldregime der Banken erzeugt überschießende Geldmengen per Kredit und fördert damit Spekulationsblasen, Krisenentstehung und allgemeine Überschuldung, letztlich vor allem die Überschuldung der Staatshaushalte auf Kosten der Allgemeinheit.

In diesem Buch werden die Funktionsweise und die Fehlfunktionen des heutigen Geldsystems dargelegt. Im Anschluss werden verschiedene Reformansätze behandelt, insbesondere der Vollgeld-Ansatz. Dieser beruht auf der Trennung von Geldschöpfung und Kreditvergabe. An die Stelle des Giralgeldes der Banken tritt das vollwertige gesetzliche Zahlungsmittel, das ausschließlich von der unabhängigen Zentralbank in Umlauf gebracht wird. Die spezialisierten Banken sollen den Zahlungsverkehr abwickeln und Aktivitäten in den Bereichen des Kunden-, Immobilien- und Anlagegeschäfts finanzieren, jedoch ohne dabei selbst Zahlungsmittel zu erzeugen. Daraus folgende Vorteile sind sicheres Geld, stabilere Preise und Kurse (keine Assetpreis-Inflation), verstetigte Konjunktur- und Börsenzyklen, ungeschmälerter Geldschöpfungsgewinn zugunsten der öffentlichen Hand sowie übergangshalber die buchstäblich einmalige Gelegenheit, die Staatsschuld weitgehend abzubauen.  Finanz- und Realwirtschaft können nur funktionieren auf der Grundlage einer stabilen und gerechten Geldordnung.

duncker-humblot.de  1998   Vollgeld  Beschäftigung, Grundsicherung und weniger Staatsquote durch eine modernisierte Geldordnung   von Joseph Huber

Inhaltsübersicht: I. Einleitung und Überblick – Jenseits der industrietraditionalen Sozial- und Geldordnung – II. Die Ausgangslage: Epochenwechsel und Krise des Sozialstaats – III. Das bezugsrechtfinanzierte Grundeinkommen – IV. Finanzierung des Grundeinkommens durch Zentralbank-Bezugsrechte – V. Vom Reservegeld zum Vollgeld – VI. Retribution – Staat und Politik in der gegliederten Gesellschaft – VII. Eine postkapitalistische Sicht auf Wirtschaftsfaktoren, Gewinn, Einkommen und Eigentum – Anhang – Literaturverzeichnis – Namensregister – Sachregister

econbiz.de/  2018   Der Euro : Grundlagen, Krise, Aussichten  Joseph Huber

Joseph Huber analysiert die Euro-Problematik unter geld- und finanzwirtschaftlichen ebenso wie politisch-institutionellen und kulturellen Aspekten. Er geht dabei dem Paradoxon auf den Grund, dass der Euro Katalysator für Stabilitätspolitik und eine ‘immer engere Union’ unter den Mitgliedstaaten hätte werden sollen, stattdessen aber von schlechten alten Gewohnheiten gekapert wurde und die südlichen und nördlichen Euroländer in einer neonationalistischen Konfrontation entzweit hat. Die Währungsunion steht heute am Scheideweg zwischen einem Niedergang in einer fortgesetzten Schulden- und Haftungsunion oder einem Neustart des Euro, der die Nichtbeistandsregel (No Bailout) wieder in ihr Recht setzt, die nationale Verantwortung für nationale Schulden durchsetzt und das Eurosystem in wichtigen Punkten reformiert. Der Inhalt Die ambivalenten Grundlagen des Euro Die Eurokrise ist eine Banken- und Staatsschuldenkrise, die zur Währungskrise s tilisiert wurde Krisenmanagement der Regierungen und der EZB und Ergebnisse dieser Interventionen Die unaufgelöste Krise – der Euro am Scheideweg Die Zielgruppen Lehrende und Studierende der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie der Staats- und Politikwissenschaft, Soziologie und Politischen Erwachsenenbildung Analysten, Publizisten, Politikbereiter und Entscheider in Medien, Verbänden, Parteien, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen Der Autor Joseph Huber ist Emeritus des Lehrstuhls für Wirtschaftssoziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


Margrit Kennedy gg seite en 

M Kennedy Buecher deutsch

J.Kamphausen-PDF Leseprobe hier   2011 Occupy Money – Damit wir zukünftig ALLE die Gewinner sind  von Margrit Kennedy

Ein leicht verständliches Plädoyer für neues Geld, das zinsfrei, gerecht und stabil ist. Das Buch liefert eine Argumentation für eine neue Bewegung, die von unten entsteht und die Druck auf Politik und Wirtschaft ausübt, um endlich auch ein Geldsystem zu schaffen, das den Menschen dient und nicht dem Profit. Margrit Kennedy zeigt Wege, wie das Geld wieder zu einer steuerbaren öffentlichen Dienstleistung zum Wohle der gesamten Gesellschaft werden kann statt eine Ware zu sein, die zu einem krankhaften Wachstumszwang führt.


Bernard Lietaer – gg Seite en


langelieder.de  2002  Das Geld der Zukunft – Über die zerstörerische Wirkung unseres Geldsystems und Alternativen hierzu  – Bernard A. Lietaer

langelieder.de  2013  Geld und Nachhaltigkeit –  Von einem überholten Finanzsystem zu einem monetären Ökosystem – Ein Bericht des Club of Rome –  Bernard Lietaer, Christian Arnsperger, Sally Goerner, Stefan Brunnhuber


Christoph Pfluger gg Seite



deutsche geld + wirtschafts blogs etc



> money history enmoneymuseum.com  2011     Money in Other Societies – Traditional Means of Payment from the Kuhn Collection  By Ursula Kampmann  

“It is incredible what has served other peoples as a means of payment at different times! Beetles’ legs and snails, shells and bars of salt, stone axes and glass pearls, all of which are really exotic. It is hard to imagine how people on the market could buy their daily food – and indeed traditional means of payment are quite different from our money in the West. For money in various societies is not the same as money. Even traditional means of payment were not always used in the same way. They are closely connected to the society in which they served as a means of payment. Their use was usually connected to quite definite ceremonies and frequently served to strengthen the ties within a community. The publication guides you through the fascinating world of traditional monies, explaining their most important functions.”