Michael Stöcker

 

Michael Stöcker kommentiert einen  piqd podcast zum Geld   20.11.2019 

Viele interessante Punkte, die hier angesprochen werden, aber einige Aspekte führen leider in die Irre. Geld ist in allererster Linie KEIN Tauschmittel, sondern ein Zahlungs- bzw. Schuldentilgungsmittel. Geld ist im Gegensatz zum Tausch im Hier und Jetzt ein soziales Phänomen in der Zeit. Die Vorstellung einer Tauschwirtschaft führt beim Thema Geld leider völlig in die Irre. Ebenso die Vorstellung, dass der Ursprung die Hinterlegung von Gold im Mittelalter war. Dies ist vielmehr ein Hinweis auf die Eigentumsökonomik von Heinsohn und Steiger (verpfändbares Eigentum zur Kreditabsicherung). Der Ursprung ist doch vielmehr beim Wechselgeschäft zu finden. Ein Wechsel ist ein vom zugrundeliegenden Kausalgeschäft abstraktes Zahlungsversprechen. Aus den Solawechseln der Geldwechsler entwickelten sich dann später die Banknoten der Zettelbanken und nach Einführung von Zentralbanken die heutigen Banknoten, die eigentlich Zentralbanknoten heißen müssten, da Banken seitdem keine eigenen Banknoten mehr herausgeben dürfen. Diese Banknoten verkörpern heute die abstrakteste Form, mit der zugrundliegende Kausalgeschäfte hinsichtlich der Bezahlung erfüllt werden. Dass es dann eine Zeitlang einen Goldstandard gab, das ist insbesondere dem Missverständnis über die Funktion der Goldschmiede geschuldet. Geld kommt nicht von Gold sondern von gelten (engl. guilty, Schuld).

Ein weiter irrtum, der hier von Wallwitz kolportiert wird, ist die Vorstellung, dass die Bank die (Bar)Einlage des Sparers benötigt, um Kredite vergeben zu können und dass dieser Vorgang einen Einfluss auf die Geldmenge M1, M2. M3 habe. Hier stellt sich insbesondere die Frage, wie denn dieses Bargeld zuvor in die Hände des Sparers gelangt ist; denn er wird es ja nicht aus dem Boden gegraben haben, wie es beim Ursprung des Goldes üblich ist.

Um es klar und deutlich zu sagen: Eine Bareinzahlung bei einer Bank hat KEINEN Einfluss auf die Geldmenge und – wenn überhaupt – nur einen sehr marginalen Einfluss auf die Kreditvergabemöglichkeiten einer Bank. Und Zentralbanken managen auch nicht aktiv die Geldmenge (welche?), sondern reaktiv im Hinblick auf realwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Entwicklungen; und zwar sehr indirekt über den Zinssatz, wie Wallwitz dann ja auch ausführt. Seine Vorstellungen scheinen mir doch noch sehr stark durch die alten monetaristischen Irrlehren der Bundesbank beeinflusst zu sein. Mehr zu diesen Irrtümern hier.

Übrigens: Die Leute können ihr Geld nicht bei der Zentralbank halten , da sie keinen Zugang zu diesem Geldkreislauf haben. Der Geldkreislauf der Privaten unterscheidet sich fundamental vom Geldkreislauf der Banken.

Warum wir uns immer noch so schwer tun, unser Geldsystem richtig zu verstehen, das hatte ich in Anlehnung an Perry Mehrling mal hier dargelegt:

LG Michael Stöcker

 

 

Ä/ä, Ö/ö, Ü/ü.